Songtexte

A la carte
Alles Mumpitz?
Anders reisen
Auf dem Sandstrand
Bella Ciao
Bill auf dem Grill
Blowin´ in the wind
Der Klang der Stille
Der Zwerg und der Riese
Deutscher Diesel
Die Konkurrenz schläft nie
Ein Fall für Pisa
Ein kleines Wertpapier
Elternabend
Ernsthaft krank
Es klappert die Mühle
Falsch gefeiert
Flugangst
Für nichts `ne Garantie
Gefährliche Freunde
Geisterfahrer
Grüne Bohnen
Herr Müller hat sich ein Vermögen geschafft
Ich möchte meine Katze therapieren
Kann denn Diebstahl Sünde sein?
Kapitaltango
Keine Frustrationstoleranz
Klara Fall
Kleine Vogelkunde
Marlene
Mein Doppelgänger
Mike, der Kneipier
Multikulti
Nur der Ralf
Oh armes Schwein, wie jämmerlich (Choral für ausgemusterte Politiker)
Opfermut
Papas Spielzeug
Pasewalk
Perlen vor die Sau
Reisepläne
Rotkäppchen und die Wölfe
S-Bahnblues
Schmiergeld für den Schiri
Sommernachmittag
Sport macht dick
Tierliebe
Verfassungsschutzblues
Vergebliches Warten
Verwechslung
Verwirrung am Weihnachtsabend
Vogelpark Walsrode
Vor Madagaskar
Warum ausgerechnet ich?
Warum sitzt der gute Onkel Willibald
Wenn bei Capri …
Wir kriegen alles raus
Woher die Macke?
Zwischen Leber und Milz



 
 
 
 
 
A la carte
Rucolasalat, Rucolasalat,
hausgemachte Pasta mit Ricotta und Spinat,
Caneloni, Rigatoni, alles ohne Glutamat.
Schenkel vom Fasan, Schenkel vom Fasan
in Marsalasoße oder neapolitan
Calamari und Campari
und vor allem Parmesan.
Lup de mer, im Spitzenwein pochiert,
Involtini, würzig mariniert,
rosa Ente, Pinienkernpuree
und gegrilltes Weidelammfilet.
Will ich dann noch mehr, will ich dann noch mehr,
mousse au chocolat und panna cotta zum Dessert,
Zabaione, Pannetone,
Grappa hinterher.

Leider steh ick mit Gertrude
meistens an der Würstchenbude.
Ick trink Bier (schon vor vier!)
und lösche damit meinen Durst.
Sie klopft nur dumme Sprüche
und hält nichts von fremde Küche.
Von Kultur keine Spur
Sie stopft sich voll mit Currywurst.

Aber wenn Paolo mit Barolo
und der Vati mit Frascati,
Gioacchino mit Trentino
und die Tanti mit Chianti,
Benedetto mit Dolcetto
Und Giuliano mit Trebiano
und derLuca mit Sambuca
sich betrinkt,
wenn die liebe Toni Medallioni,
Tortelini für bambini
Saltenbocca und Crespelle,
Tagliatelle, Parpadelle,
Pecchorino, Bardolino
und Salice Salentino
und die Montepulcianoflasche
bringt, dann hab ich den Traum vom guten Essen,
kann die Currywurst vergessen
und ich denke, fühle, schmecke italienisch,
Ja, dann wird getafelt und geschlemmert
und gesoffen, bis es dämmert,
und ich schwelge in der schönsten Phantasie.
Denn die gute Küche aus Italien
hat die leckersten Fressalien,
hat die allerschönsten Weine
und ich sehne mich in eine
Pizzeria, Osteria, Trattoria, Mama mia,
meine Wünsche bleiben leider Utopie.

Ich hab nur den Traum vom guten Essen,
will die Currywurst vergessen…

Denn ick steh mit Gertrude
meistens an der Würstchenbude.
Sie sagt nee Zu Gourmet
sie liebt nur Ketchup und Pommes frites.
Sie lässt nichts Leckres gelten,
zwischen uns da liegen Welten,
Will ich schön essen gehen,
dann sagt Gertrude bloß igitt.

Rucolasalat…
Mozzarella, Stracciatella,
kleine Wachteln zum Verspachteln

Doch ick steh mit Gertrude
immer an der Würstchenbude.
Sie fährt stur ihre Spur
und zieht den Fastfood in sich rein.
Ich kann’s kaum noch ertragen,
ständig dreht sich mir der Magen.
Will ich schön essen gehen,
dann sagt sie: Du verfressnes Schwein.

Mit Gertrude ist es wirklich ein Kreuz.
Die lässt sich auf nichts ein, was mit gutem Geschmack zu tun hat.
Dabei hab ich schon alles mit der probiert.
Nicht nur italienisch.
Aber für kulinarische Höhepunkte hat die einfach kein Organ.
Die isst ja noch nich mal ne Tiefkühlpizza.

Text: Dietrich Plückhahn
Musik: W.A. Mozart



 
 
 
 
 
Alles Mumpitz?
Wir fragen uns, worin besteht die Diskrepanz
zwischen Humbug, Stuss und Firlefanz?
Wodurch, bitte, unterscheiden sich diese drei?
Das ist mitnichten einerlei!
Der Mensch denkt und redet nämlich nur gescheit
unter Beachtung begrifflicher Genauigkeit.
Wie grenzt man Humbug, Stuss und Firlefanz präzis‘ und knapp
voneinander und vom Mumpitz ab?

Man sollte dieser Frage mehr Aufmerksamkeit schenken
und den Blick dabei auch auf den Kokolores lenken.
Kokolores, Mumpitz, Humbug, Stuss und Firlefanz,
die Unterscheidung ist von ungeheurer Relevanz.
Denn das meiste, was der Mensch im Leben hören muss,
ist entweder Kokolores oder Humbug oder Stuss
oder Mumpitz oder Firlefanz und dergleichen mehr,
da muss endlich eine klare Unterscheidung her.

Aber wirklich! Is‘ dringend nötig. Längst überfällig

Man muss diese Begriffe sauber definieren,
ihr jeweiliges Verwendungsumfeld evaluieren,
ihren Kerngehalt kritisch-analytisch betrachten,
regional und schichtspezifisch auf Unterschiede achten,
den methodisch zweckentsprechenden Ansatz suchen,
sonst landet man im Handumdreh’n beim Pustekuchen,
wobei der Firlefanz gesondert betrachtet werden muss,
getrennt vom Humbug, vom Mumpitz und vom Stuss.

Und natürlich auch vom Kokolores.
Also, das versteht sich nun wirklich von selbst.

Der Firlefanz, das erkenne ich durchaus
fällt aus der Gruppe der genannten Begriffe etwas raus,
weil er mehr in Richtung Tatsachenbeschreibung geht
und weniger für dämliches Gequatsche steht.
Der Kokolores ist dagegen, im Lauten wie im Leisen,
dem dämlichen Gequatsche glasklar zuzuweisen,
weshalb er in einen Kontext gestellt werden muss
Mit dem Humbug, dem Mumpitz und dem Stuss.

Auch der Klimbim fällt aus unserer Betrachtung heraus.
Er hat, und das schließt ihn diskursiv aus,
wie der Tinnef einen eher gegenständlichen Touch.
Ihn hier einzubeziehen wäre quätscher als Quatsch
obwohl sich gewisse Parallelen aufdrängen.
Doch würde es leider den Rahmen sprengen.
Darum bleibt der Klimbim hier außer Beachtung
zugunsten der Humbug- und Mumpitzbetrachtung.

Der Humbug hat mit dem Mumpitz gemein
nicht nur sprachbezogen konnotiert zu sein,
Der Stuss hingegen bleibt dahinter zurück,
seinem Assoziationshof fehlt quasi ein Stück.
Kokolores, Mumpitz, Humbug voneinander abzugrenzen
fällt schwer, mangels substanzieller Divergenzen.
Die Schnittmenge ist hier einfach zu groß.
Ich höre auf, sonst wird es bodenlos.

Ja, und was is jetzt mit dem Pipifax?
Na nu werd‘ mal nich albern!

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 20639172



 
 
 
 
 
Anders reisen
Ich hasse Touristen wie die Pest,
es ärgert mich, dass man alle reisen lässt.
Japaner, Deutsche, Holländer, Franzosen, Yankees, Briten –
den Massentourismus sollte man verbieten.
Reiseführer, Rollkoffer, Kamera,
„oh darling, how nice“, „Lotti, gucke mal da“.
Ich kann so viel Blödheit nicht ertragen,
begegnen mir Touristen, dreht sich mir der Magen.
Will ich zur Erbauung in die Fremde geh´n,
möchte ich keine anderen Touristen seh´n.

Also dahin, wo man keine Touristen sieht,
am besten in ein echtes Krisengebiet.
Afghanistan fällt mir als allererstes ein,
da scheint´s touristisch noch einigermaßen clean zu sein,
wo talibanische Mudschaheddin
mit dem Sprengstoffgürtel durch die Lande zieh´n.
Auch gleich hinter der Grenze, in Pakistan,
sieht man da eine Frau falsch von der Seite an,
dann riskiert man sehr schnell sein Lebenslicht,
aber anderen Touristen begegnet man nicht.

Der Terrorismus erfüllt einen guten Zweck,
wo viele Bomben krachen, bleiben die Touristen weg.
Sie fürchten auch Schüsse und brennende Reifen,
also auf in den Irak und in den Gaza-Streifen,
nach Somalia, auf die Philippinen ins Rebellenzelt,
die Bundesregierung zahlt das Lösegeld.
Komforteinbußen nehm´ ich gerne hin,
wenn ich dafür nicht unter Touris bin.
Ich kann auch verzichten auf Eis am Stil
für ein touristenfreies Urlaubsziel.

Coca Cola, Fanta, nee, nee, nee,
vom Rülpsen tut doch immer nur die Speiseröhre weh.

Ich bin auch gern in Gegenden von Afrika
mit Cholera und Ebola.
Denn wo Viren und Bakterien ihre Kreise zieh´n
trifft man keine toskanischen Lehrer aus Berlin.
Ist ein Gebiet hoch infektionell,
dann reist sich´s dort höchst individuell.
Ich scher´ mich nicht um Malaria und um TBC,
wenn ich dafür dem Urlauberrummel entgeh´.
Zwei Dinge brauch´ ich nur, um in die Welt zu zieh´n:
Handfeuerwaffe und Penicillin.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 8145626



 
 
 
 
 
Auf dem Sandstrand
Eine Schrankwand, ja eine Schrankwand
stand plötzlich unvermittelt auf dem Sandstrand.
Sofort machten die Kinder darauf Handstand,
bis es die Strandaufsicht verbot, weil sie´s riskant fand.
Die Strandhotelbesitzer hört man fluchen:
auf einem Sandstrand hat ne Schrankwand nichts zu suchen.
Und auch ein Fischer, dem ein Aal sich in der Hand wand,
war strikt für die Beseitigung der Schrankwand.

Indessen um das merkwürdige Möbel
versammelte sich jugendlicher Pöbel.
Das Landratsamt erkannte dies als Krise
und gab in Auftrag eine Expertise,
die stellte fest, dass dieses Möbelstück am Sandstrand
nicht eine Schrankwand sei, sondern ein Wandschrank,
und dass ein Wandschrank auf einem Sandstrand
ganz anders zu betrachten sei als eine Schrankwand.

Man müsse hier Spezifisches erkennen
und Nebensächliches von Wesentlichem trennen.
Ein Wandschrank sei durchaus zu akzeptieren
und in das Landschaftsbild zu integrieren.
Ein solcher Wandschrank entzöge sich Vergleichen,
der Ausdruck „Sperrmüll“ sei hier unbedingt zu streichen.
Man solle (anders als bei alten Autoreifen)
den Wandschrank als Gestaltungschance begreifen.

Nach dieser Expertise herrschte Konsens:
den Wandschrank zu entfernen wäre Nonsens.
Als Kunst am Sandstrand habe er zu bleiben.
Drum ließ man einen Wettbewerb ausschreiben.
Und diesen Wettbewerb gewann ein alter Wilder,
der war bekannt für seine unsichtbaren Bilder.
Ganz ungerührt von Wetter, Wind und Welle
rückte er dem Wandschrank auf die Pelle.

Die Vorderseite ziert ein Teppichklopfer,
ein Messingschild gemahnt an alle Opfer.
Und als verbindendes Symbol zum Meer.
ringsum ne Ankerkette, voll mit Tang und Teer.
Auf diesen Anblick muss man neuerdings verzichten.
Natur ist manchmal da, um zu vernichten.
Das Meer stieg bis zur Uferpromenade.
Und von dem Wandschrank sieht man nichts mehr. Schade.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 11033929



 
 
 
 
 
Bella Ciao
Eines Morgens in aller Frühe,
bella ciao, bella ciao, bella ciao, ciao, ciao,
eines Morgens in aller Frühe
fiel ich vor ihr auf die Knie.

Oh du Schöne! Du Partisanin!
Bella ciao, bella ciao, bella ciao, ciao, ciao,
ich will kämpfen an deiner Seite,
kämpfen, ganz egal wofür.

Egal wofür und egal wogegen,
bella ciao, bella ciao, bella ciao, ciao, ciao,
für die Armen (und dagegen), für die Reichen (und dagegen),
für und gegen Hinz und Kunz.

Oh bitte, bitte, mach eine Soße!
Bella ciao, bella ciao, bella ciao, ciao, ciao,
mach aus allem eine Soße,
in der jeder schwimmen kann.

In dieser Soße kann man ersaufen,
bella ciao, bella ciao, bella ciao, ciao, ciao.
Sollte ich auch darin ersaufen,
will ich sterben nur mit dir.
Sollte ich darin ersaufen, oh du schöne Partisanin,
will ich sterben nur mit dir.

Text: Dietrich Plückhahn
Musik: Italienisches Revolutionslied und „Sommerhit“ des Jahres 2018



 
 
 
 
 
Bill auf dem Grill
Rippchen, Steaks und Lammkotelett,
auf die Kohlen tropft das Fett,
Rostbratwurst klemmt in der Würstchenzange.
Salatbuffet im Kunststoffzelt,
alles von Lampions erhellt,
die Gartenparty ist in vollem Gange.
Dann liegt der Bill plötzlich auf dem Grill.
Da wird es still, ja so still.
Die Gäste sind erschüttert und beklommen.
Doch nach und nach wird allen klar,
dass das nicht vorgesehen war
und manche Dinge muss man eben nehmen, wie sie kommen.

Langsam wird es wieder laut.
Man vergisst die Gänsehaut,
trinkt ein Bier und lässt sich´s nicht verdrießen.
Sterne steh´n am Firmament
man erfreut sich an der Band
an Tsatsikischüsseln und an Schaschlikspießen.
Man betrinkt sich ungeniert,
flirtet ´rum und diskutiert,
ein Pärchen knutscht, ein paar Besoffne johlen.
Nur der Bill,
was keiner wissen will,
liegt einsam auf dem Grill und muss verkohlen.

Alle haben aufgemampft.
Ein Gitarrenspieler klampft.
Nachtigall mit melancholisch weichen Tönen
singt ihr Liedchen im Gebüsch
und allmählich wird es frisch
und der Bill hört langsam auf zu Stöhnen.
Wenn die letzten Gäste geh´n,
ist der Morgen schon zu seh´n,
und dann schlummern alle sanft in ihren Betten,
träumen süß vom Partyschmaus,
schlafen ihre Räusche aus,
und Bill war sowieso nicht mehr zu retten.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 9391715



 
 
 
 
 
Blowin´ in the wind
Sind auf der Insel Borneo
die Menschen tatsächlich borniert?
Wird auf der Halbinsel Samland noch mehr
als anderswo sonst kopuliert?
Hat sich die Lust am Fressen in Essen
besonders extrem etabliert?

The answer, my friend, is blowin´ in the wind.

Warum hat Kuwait kaum eine Kuh
Sind in Irland die Irren zu Haus?
Warum ist Finnland nirgends Inland außer in Finnland
und was ist im Ausland aus?
Ist der Po wirklich ein Fluss und kein Arsch
und was macht sich Aschaffenburg daraus?

The answer, my friend …

Warum liegt Polen nicht am Pol
und was macht so müd´ in Zermatt?
Badet man brustfrei im Titisee
und wieviel Watt hat Angkor Wat?
Wem wird in Salzburg die Suppe versalzt,
herrscht in Halberstadt immer ein Patt?

The answer, my friend …

Was wird zermanscht in der Mandschurei
und wo ist am Brenner die Glut?
leben in Leyden nur Masochisten,
welche Frau ist gemeint mit Beirut?
Ahnt der Vatikan, was die Einwohnerschaft
von St. Blasien gelegentlich tut?

The answer, my friend …

Text: Dietrich Plückhahn
Musik: Traditionell



 
 
 
 
 
Der Klang der Stille
Wenn man meint, dass man nichts hört,
kein Geräusch, das einen stört,
keinen Ton, der durch den Äther schwingt,
kein Gezwitscher, wenn ein Vogel singt
und kein Pfeifen aus einem Rattenloch,
so hört man doch
den Klang der Stille.

Wenn kein Luftballon zerplatzt,
wenn keine Wildschweinrotte schmatzt,
wenn der Gewitterdonner nicht mehr grollt
und wenn kein Rollkoffer zum Bahnhof rollt,
wenn nicht mal Blätter leise rauschen, hoch im Baum,
bleibt doch im Raum
der Klang der Stille.

Wenn kein Autokorso hupt,
wenn keine Rinderherde pupt,
wenn kein Glas klirrt und kein Korken knallt,
aus keiner Disko dumpfer Lärm erschallt,
wenn alles schweigt, der Mensch und die Natur,
dann hört man nur
den Klang der Stille.

Und wenn kein Kaffeeautomat
und auch kein andrer Apparat,
wenn kein Handy sich vernehmen lässt,
wenn kein Posaunenchor vom Kirchturm bläst,
kein altes Ehepaar sich zankt am Gartentor,
bleibt doch im Ohr
der Klang der Stille.

Und wenn ein Lied so richtig nervt,
ganz verschärft so richtig nervt,
wenn so ein Lied sich nur im Kreise dreht
und allen Hörern auf den Senkel geht,
auf die Nüsse, auf den Geist und auf den Sack, dann wünscht man sich
ganz inniglich
den Klang der Stille.

Text: Dietrich Plückhahn
Musik: Simon and Garfunkel, The Sound of Silence



 
 
 
 
 
Der Zwerg und der Riese
Auf einer Wiese steht ein Haus
(Kinderlied)

Auf einer Wiese steht ein Haus,
auf einer grünen Wiese.
Da schaut ein böser Zwerg heraus
und ein ganz lieber Riese.

Der Riese pflegt das Gärtlein klein,
macht alle Repraturen und putzt
und kocht tagaus, tagein.
Der Zwerg verkehrt mit Huren.

Der Riese ist stets hilfsbereit,
der Zwerg ist bitterböse.
Der Riese liebt die Einsamkeit,
Der Zwerg liebt nur Getöse.

Der Riese schuftet, was er kann
und bäckt die Sonntagstorte.
Der Zwerg, der pöbelt ihn nur an,
sagt ganz gemeine Worte.

Der Riese hat kein Glück beim Geld
und auch nicht in der Liebe.
Und wenns dem bösen Zwerg gefällt,
dann setzt es auch noch Hiebe.

Im Gärtchen keimt die Blumensaat.
Der Zwerg liegt faul und träge
im Liegestuhl. Der Riese naht
mit einer Motorsäge.

Was jetzt passiert, ist schauderhaft
und endet nicht im Guten.
Drum ist dies Lied der Hörerschaft
nicht längerzuzumuten.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 9391723



 
 
 
 
 
Deutscher Diesel
Das deutsche Reinheitsgebot gilt für Bier.
Es gilt nicht für den Dieselkraftstoff.

Die ganze Welt hat sich verschworen
gegen deutsche Dieselmotoren.
Also bitte, vertrauen wenigstens Sie
der deutschen Autoindustrie.
Sie steht in dieser schadstofffeindlichen Zeit
für Solidität und Verlässlichkeit.
Denn sie sorgt verlässlich und solide
für ausreichend hohe Stickoxide.
Die Autoindustrie muss man deshalb verschonen
von der ätzenden Kritik an Schadstoffemissionen.
Schadstoff vermeiden, Schadstoff vermindern
taugt nur dazu, freie Fahrt für freie Bürger zu verhindern.
Der Motor muss brummen, der Verkehr muss rollen,
also Schluss mit diesen kleinlichen Abgaskontrollen!
Hören sie nicht auf das Umweltgeschrei!
ein bisschen Dreck in der Luft, was ist schon dabei!

Zeig mir deinen Diesel,
ich zeig dir meinen.

Die deutsche Autoindustrie
steckt voll kreativer Energie
und betätigt geradezu genial
ihr innovatives Potential.
Harnstoff, besser klingt AdBlue,
die Schummelsoftware kam dazu,
phantasievoll entwickelt, allein zu dem Zweck,
die Menge von entweichendem Dreck
aus deutschen Dieselaggregaten
raffinierter Weise nicht zu verraten.
Schummelsoftware – deutsches Markenprodukt.
Digital so gut gelogen, als wär’s gedruckt.
Die deutschen Firmen waren da besser und schneller
als die japanischen Autohersteller.
Darum klingelte es hell in ihren Kassen.
Der Fehler war nur, sich erwischen zu lassen.

Dumm gelaufen.
Dabei ist auch die Schummelsoftware ein Produkt deutscher Wertarbeit.

Mais, Raps, Winterkorn –
der Biodiesel lag ganz vorn.
Doch egal ob mineralisch oder aus Pflanzen,
den Diesel verteufelt man jetzt im Ganzen.
Das ist für VW kein Gaudi,
nicht für Porsche, nicht für Audi,
nicht für BMW und nicht für Daimler-Benz.
Nur der ausländischen Konkurrenz
nützt die Anti-Diesel-Hetze
auf Kosten deutscher Arbeitsplätze.
Und um die zu erhalten, spricht nichts dagegen,
sich für deutsche Autos richtig ins Zeug zu legen.
Drum mögen die Kritiker auch noch so nerven,
den Softwareschummlern ist nichts vorzuwerfen.
Und statt sie in die kriminelle Ecke zu drängen,
sollte man ihnen das Bundesverdienstkreuz umhängen!

Und ihnen empfehlen wir
aus Solidarität mit der deutschen Autoindustrie
auch ihren Benziner ab sofort mit Diesel zu betanken.

Text: Dietrich Plückhahn



 
 
 
 
 
Die Konkurrenz schläft nie
Wer hat für alles den passe partout,
wer ist immer einen Schritt weiter als du?
Wer kennt überall den richtigen Dreh,
wer kratzt mit Erfolg an deinem Renomee?

Die Konkurrenz, die Konkurrenz.
Wer verursacht Stress und Turbulenz?
Die Konkurrenz!

Wer trickst dich aus und wer legt dich rein,
wer streicht die fetten Tantiemen ein?
Wer ist Meister im Intrigenspiel,
wer ramponiert dein ohnehin schon schwaches Selbstwertgefühl?

Die Konkurrenz, die Konkurrenz.
Wer macht sich breit unter deinen Fans?
Die Konkurrenz!

Die Konkurrenz schläft nie,
sie ist überall.
Die Konkurrenz schläft nie,
sie ist immer am Ball.
Die Konkurrenz schläft nie,
macht kein Auge zu.
Die Konkurrenz schläft nie,
ganz anders als du.
Dynamisch und voll Energie,
sie ist immer wach,
die Konkurrenz schläft nie.
C´est la vie –
die Konkurrenz schläft nie.

Wer gibt dir gerne eins auf den Dutt,
wer macht deinen guten Ruf kaputt?
Wer sorgt dafür, dass du Sorgen hast,
wer sägt an deinem bedrohlich dünnen Ast?

Die Konkurrenz, die Konkurrenz.
Du fährst VW, wer fährt Mercedes Benz?
Die Konkurrenz!

Wer verweist dich auf den hintersten Platz,
wer trifft sich heimlich mit deinem Schatz?
Wer kommt ausgeschlafen zum Schützenfest,
wer schafft auf Anhieb den Idiotentest?

Die Konkurrenz, die Konkurrenz.
Und wer ist schuld an deiner hohen Pulsfrequenz?
Die Konkurrenz!

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 9391722



 
 
 
 
 
Ein Fall für Pisa
Ich weiß nicht, auf welchem Kirchturm Mona Lisa steht,
ich weiß nicht, wer dem Romeo den Kopf verdreht.
Ich weiß nicht, ob ein Löwe nur Tomaten frisst
und welcher Tag im Jahr der Bundestag ist.

Ich weiß auch nichts vom Spieglein an der Wand,
ich weiß nicht, wer das Ei des Columbus erfand.
Ich weiß nicht, warum Jesus seinen Hund verstieß
Und warum Dschingis auf hoher See den Kahn verließ.

Ich bin ein Fall für Pisa,
schubidu,
ich bin ein Fall für Pisa
und ich steh´ dazu!
Ich bin ein Fall für Pisa –
wer ist eigentlich Mona Lisa?

Ich weiß nicht, wer im Lenin-Mausoleum zerfällt
und warum nicht jeder noble Mensch den Nobelpreis erhält.
Ich weiß nicht, für wen Goethe sein Karl-May-Buch schrieb
und womit sich Marcel Proust verlor´ne Zeit vertrieb.

Ich weiß nicht, welche Tiere Hamelns Rattenfänger fing,
welches Schiff beim Untergang der Titanic unterging.
Ich weiß nicht, welcher Mann auf dem Nelsondenkmal steht
und wer am Kreuz hing, Mao oder Mohammed?

Ich bin ein Fall für Pisa…

Jede Kenntnis egal von was entzieht sich mir,
für mich ist jedes Krokodil ein Säugetier.
Wenn ich schon Bücher sehe, seh´ ich rot.
Statt Gedanken mach´ ich mir lieber Abendbrot.

Ich weiß genau, Bildung bekommt mir nicht,
denn von zu viel Wissen kriegt man Übergewicht.
Darum lass´ ich nicht gern was in meine Birne rein.
und so ein Brett vor dem Kopf schützt dabei ungemein.

Ich bin ein Fall für Pisa,
schubidu,
ich bin ein Fall für Pisa
und ich steh´ dazu!
Ich bin ein Fall für Pisa –
Wer is …
jetz hab ick vajessen, wie die Alte heißt.
Iss ja ooch ejal.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 10386463



 
 
 
 
 
Ein kleines Wertpapier
Seit Jahren liegt mir die Frage im Sinn:
was mach ich mal mit ein´m Lottogewinn?
Was muß ich tun, damit das Geld arbeiten kann?
Wie leg´ ich´s sicher und gewinnbringend an?
Um Erfahrung zu sammeln, probier´ ich´s schon mal
vorübergehend mit geborgtem Kapital.
Damit geh´ ich zur Bank, na und dann woll´n wir mal sehn,
wie´s an der Börse so läuft, wie die Aktien steh´n.
Ein Wertpapier, ein kleines Wertpapier,
ja sowas wünsch ich mir,
ein kleines Wertpapier.
Mit dem man immer auf der sichren Seite steht,
wo man kein Risiko eingeht.

Ein Banker berät mich, ich sage bon
und kauf´ bei dem von ihm empfohl´nen Aktienfonds.
einer, wo man fast garnichts riskiert,
maximaler Gewinn garantiert.
Natürlich kommt´s anders: schleppender Export,
matte Weltkonjunktur usw. usf.
Erst mach´ ich noch Gewinn (20 Cent),
dann bin ich mitten drin im Abwärtstrend.
Ein Wertpapier, ein kleines Wertpapier,
ja so was wünsch´ ich mir,
ein kleines Wertpapier,
dessen Kurs nur steigt,
das nie an Wert verliert
und das mich rettet, wenn ringsum die ganze Wirtschaft kollabiert.

Ich bin pleite, morgen ist Vollstreckungstermin.
Meine Gläubiger reiss´ ich alle mit in den Ruin.
Wie´s schief geht, darüber bin ich jetzt informiert,
durch schlechte Erfahrung bestens qualifiziert.
Und nur durch Erfahrung gewinnt man Kompetenz,
höchste Kompetenz durch eigne Insolvenz.
Damit eröffne ich jetzt als Ein-Mann & Co.
ein Geldanlageberatungsbüro.
Ein Wertpapier …
Ein Wertpapier, ein kleines Wertpapier,
ja ja, das wünsch ich Dir
und Euch und ihm und ihr,
ein kleines Wertpapier, mit dem man dann
wenn´s überhaupt nichts bringt, sich wenigstens den Arsch abwischen kann.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 7983778



 
 
 
 
 
Elternabend
Elternabend, Elternabend.
Alle Elternpaare streiten sich:
Du warst letztes Mal schon, heute will ich
zum Elternabend, ja, zum Elternabend,
zu diesem Abend, auf den alle warten,
in der Schule und im Kindergarten.

Alle (Eltern) dürfen sich wie die Kinder fühlen,
denn sie sitzen auf den süßen kleinen Stühlen,
auf denen kein erwachsener Mensch richtig sitzen kann.
Manche Eltern kommen schon müde an,
gähnen verhalten aber unentwegt,
andere sind hibbelig und aufgeregt
und wer Lust drauf hat, bringt, so gut er´s kann,
sein Thema an.

Ein Besuch im Zoo ist doch völlig idiotisch.
Das Essen letzte Woche war nicht makrobiotisch.
Meine Tochter wird hier total unterfordert.
Wer hat denn diese dämlichen Malstifte geordert?
Das Unterrichtstempo ist lahm wie ne Schnecke.
Dieser ewige Dreck in der Bastelecke!
Es darf nur Rohrzucker in den Kuchen!
Plastikspielzeug hat hier nichts zu suchen!
Ich weiß nicht, was diese Handpuppen sollen.
Die Kinder brauchen endlich klare Lernzielkontrollen.
Mein Sohn wird überfordert in bedenklichster Weise.
Ich war sowieso gegen die Sauerlandreise.
Fäkalwörter fördern die Verrohung.
Ich halte Computer für ne echte Bedrohung.
In der Krabbelgruppe fehlt jede Tendenz
zur Entwicklung der Fremdsprachenkompetenz.

Elternabend, Elternabend,
dieser Abend auf den alle warten,
in der Schule und im Kindergarten.

Julia will nicht recht, auch nicht Peter,
trotzdem werden beide Elternvertreter.
Elternabende sind endlos, weil immer noch wer redet.
Wer nicht grad selber redet, ist angeödet
und muss ständig auf den Uhrzeiger sehn,
denn man will ja noch zusammen was trinken geh´n.

Kneipenabend, endlich Kneipenabend

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 11877646



 
 
 
 
 
Ernsthaft krank
Hypochondrie ist weit verbreitet.
Fast jeder jammert, fast jeder leidet
unter irgendwelchen albernen Zipperlein,
hat ne Zyste, ne Fistel, nen Gallenstein,
Diarrhöe, Gonorrhöe, zu viel Säure im Magen,
einen Tennisarm oder muss sich beklagen
über Krampfadern, Ischias, ein Hämatom,
Zellulitis, Arthritis, Burnout-Syndrom.
Die meisten Menschen bedauern sich in einem fort,
Selbstmitleid pflegen heißt ihr Lieblingssport.
Einem Katarrh gilt die Sorge oder einem Ekzem.
Mich plagt ein echtes Gesundheitsproblem:
Ich hab´ ne Glatze, ich hab´ ne Glatze.
Ich hab´ ne Glatze, das ist kein Spaß.
Ich hab´ ne Glatze, das ist so was wie ein Rasen ohne Gras.
Ich hab´ ne Glatze. Und andre Leute bilden sich ein,
mit ihren Petitessen ernsthaft krank zu sein,
jammern rum mit schmerzverzerrter Fratze –
lächerlich! Ich hab´ ne Glatze.
Eigentlich bin ich nicht weinerlich.
Um meine sonstigen Malaisen mach´ ich kein großes Gewese.
Dabei habe ich so Einiges zu bieten:
Beim Scheibenschießen schoss ich mir die Scheibe aus dem Knie.
Ich leide unter ausgeprägter Sauerstoffphobie.
Mein welkes Schulterblatt wurde vom Winde weggeweht.
Ich habe mir beim Quantensprung das Fußgelenk verdreht.
Bei zu viel Zuckerwatte versagt mein Beißreflex.
Mein Blut gerinnt, wenn’s dunkel wird. Es gruselt mich beim Sex.
Mein falscher Zungenschlag, der ist weiß Gott kein Kinderspiel,
so wenig wie die Fehlfunktion an meinem Überlaufventil,
Ich hab ein steifes linkes Ohr, mir tut der Schnurrbart weh.
Mich schmerzt die Aphroditis unterm rechten großen Zeh.
Mir geht unentwegt die Muffe, steht das Wasser bis zum Hals.
Ich habe zu viel Schwermetall in meinem Ohrenschmalz
Ich bin manisch-destruktiv durch den Verlust der Nabelschnur.
Ich hab ne höllische Doktrin und eine Überbeinfraktur.
Meine Leber ist von zu viel Mineralwasser lädiert.
Alles halb so schlimm,
doch auf dem Kopf sind beinah alle Haare amputiert.
Ich hab´ ne Glatze, ich hab´ ne Glatze.
Ich hab´ ne Glatze und das ist gar nicht toll.
Ich hab´ ne Glatze, nee, das ist grauenvoll.
Ich hab´ ne Glatze. Und andre Leute bilden sich ein,
mit ihren Kinkerlitzchen ernsthaft krank zu sein,
winseln schmerzerfüllt auf der Matratze –
lächerlich! Ich hab´ ne Glatze.
Ich schließe meine Lücke
auch nicht durch ne Perücke.
Ein Toupet will ich vermeiden,
denn ich steh´ zu meinem Leiden.
Ich hab´ ne Glatze. Das Schlimmste ist dabei,
jeder tut so, als wenn das nichts weiter sei.
Menschen mit Haaren registrieren es kühl,
verständnislos und ohne Mitgefühl,
Ärzte zucken mit den Schultern und dann sprechen sie
von der Aussichtslosigkeit einer Therapie
und mein Psychotherapeut hat mir rundheraus erklärt:
“Eine Glatze hat keinerlei Krankheitswert“.
Arschloch!
So viel Ignoranz bringt mich noch um den Verstand.
Wann wird Glatze als Behinderung endlich anerkannt?
Ich hab´ ne Glatze.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 11877650



 
 
 
 
 
Es klappert die Mühle
Es klappert die Mühle am rauschenden Bach.
Klipp klapp.
Bei Tag und bei Nacht ist der Müller stets wach.
Klipp klapp.
Er mahlet kein Korn, er mahlet kein Mehl.
Was mahlt denn der Müller, bei meiner Seel?
Klipp klapp…

Vorbei kommt ein einsamer Wandersmann.
Klipp klapp.
Der Müller grüßt freundlich und winkt ihn heran.
Klipp klapp.
So mancher trat ein, den man nie wieder sah.
Man fragt sich, der Müller, was mahlt er denn da?
Klipp klapp…

Doch heute, doch heute, was ist nur geschehn?
Klipp klapp.
Vom Müller ist heut überhaupt nichts zu sehn.
Klipp klapp.
Vor der Mühle steht lächelnd die Müllerin
Und irgendwas ist im Mühltrichter drin.
Klipp klapp…

Text und Musikbearbeitung: Dietrich Plückhahn



 
 
 
 
 
Falsch gefeiert
Es hat ein jeder Tag seine Symbolik,
es gibt den Tag der Arbeit und den Tag der Frau.
Es gibt den Tag für Antialkoholik
und den zur Rettung der alpinen Wurzelsau.
Es gibt den Tag zum Schutz der Regenwälder
und für ein digitales Abwassersystem,
den Tag der Menschenrechte und der Feuermelder.
Das ist sehr schön, doch mit alledem hab´ ich ein Problem:
Ich schaff´ es nie und muss mich deshalb schämen,
mich jedem Tageszweck entsprechend zu benehmen.

Am Tag der Einkehr muss ich Champagner trinken,
am Muttertag krieg ich ein Geschwür.
Am Tag der Körperpflege fang´ ich an zu stinken,
am Tag des Tieres malträtiere ich ein Tier.
Am Nichtrauchertag rauche ich Zigarre,
am Tag der Wissenschaft bin ich besonders dumm.
Am Antikriegstag putz´ ich meine Knarre,
am Tag des weißen Stocks renn´ ich einen Blinden um.
Am Tag des Schlafs bin ich besonders wild,
am Tag der Bildung les´ ich Bild.

Am Welternährungstag bekomm´ ich Magenschmerzen,
am Tag der Umwelt piss´ ich in den Schnee.
Der Tag des Gutmenschseins liegt mir speziell am Herzen,
am Weltgesundheitstag schluck´ ich LSD.
Am Tag des Fahrrads geh´ ich auf den Nürburgring,
am Artenschutztag kauf´ ich ein Tigerfell.
Am Tag des Ehrenamts dreh´ ich ein richtig krummes Ding,
den Tag der Frau verbringe ich meistens im Bordell.
Ich schieß´ am Hundetag ´nen Pitbull übern Haufen,
am Antidrogentag muss ich mich besaufen.

Am Hungerhilfetag kassier´ ich Dividende,
am Tag der Poesie mix´ ich ´nen Schüttelreim.
Am Tag des Kindes mach´ ich eine Spende,
versteht sich: für ein Seniorenheim.
Kurzum, ich muß mein Defizit beklagen!
So viele gute Zwecke machen mich konfus.
An beinah 365 Tagen
weiß ich nicht, wie man sich korrekt verhalten muss.
Ich wär´ dazu wohl fähig und bereit,
am Tag des Zweifelsfalls, am Tag des Irrtums
und am Tag der Ratlosigkeit.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 8145688



 
 
 
 
 
Flugangst
Wovor man Angst hat, (gerade) das muss man tun.
Man wird nur so gegen Ängste immun.
Hast du Angst vor Hunden, musst du dich eben
in einen Hundezwinger begeben.
Sitzt dir in der U-Bahn die Angst im Nacken,
hast du im Fahrstuhl Panikattacken?
Dann musst du, und sei´s auch mit gesträubten Haaren,
den ganzen Tag U-Bahn und Fahrstuhl fahren.

Ich für meinen Teil habe Flugangst
und ich will sie besiegen.
Und dazu muss ich wohl oder übel fliegen.
Ich kaufe mir also ein Billigflugticket, nehme meinen ganzen Mut zusammen
und steige ein in eine Boeing 737,
mein Herz schlägt bis zum Hals, meine Hände sind schweißig.
Man zwängt mich auf einen Platz irgendwo in der Mitte.
Eine Lautsprecherstimme sagt: „Anschnallen bitte.“
Und während ich Blut und Wasser schwitz
sagt die Stimme: „Schwimmweste ist unterm Sitz.“
Mein Puls rast, ich ertrage das nicht.
“Bei Druckabfall pressen sie die Maske aufs Gesicht.“

Nach einer endlosen Zeit werden die Triebwerke sehr laut.
Ich will jetzt nur noch eins: raus aus meiner Haut.
Autogenes Training, Yoga, alles war vergebens,
ich erlebe die schlimmsten Sekunden meines Lebens.
Wär ich hier bloß nie eingestiegen!
Dieser Preis ist zu hoch, um Flugangst zu besiegen.

Ich verkrampfe mich und registriere verschwommen,
wir sind jetzt vom Boden abgekommen.
Der letzte Nervensaft wird mir weggemolken.
Da ist Sonne zu sehn, wir sind über den Wolken.

Und plötzlich Raum, so unendlich und groß
und Freiheit, Freiheit so grenzenlos.
Freiheit hier oben ohne Grenzen,
was stör´n mich die heftigen Turbulenzen?
Alle Ängste, alle Sorgen sind vertrieben.
Auch meine Flugangst, wo ist sie geblieben?
Meine Flugangst, dieses blöde Schwein,
ist plötzlich nichtig und klein.
Ja, von meiner Flugangst bin ich jetzt endlich frei.
Danke, Reinhard Mey.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn (mit Zitat: Über den Wolken, Reinhard Mey)
GEMA-Werknummer 11877638



 
 
 
 
 
Für nichts `ne Garantie
Sie stand vorm Standesamt und wartete vergebens
auf die schönste Stunde ihres Lebens.
Der Bräutigam, der hatte sie vergessen
und sich in einer Kneipe festgesessen.
In großen Tropfen kullerten die Tränen.
Der Onkel sprach: „Kind, du musst nich weenen“
und fügte an, mit leiser Ironie,
„es gibt im Leben für nichts ne Garantie.“

Es gibt im Leben für nichts ne Garantie,
nicht für ihn und nicht für sie.
Auf dieser Welt ist eines nur gewiss:
Überall lauert der Beschiss.

Es war der Boss ner Panzerknackerbande
beschäftigt am Tresor der größten Bank im Lande,
um dort das Gold und die Devisen auszuräumen,
in Dimensionen, von denen alle träumen.
Drei Jahre lang hat er am Tunnelbau geackert,
sich durch Geröll und Schutt unter die Bank gerackert
und eines Abends fiel die letzte Wand.
‚Ne tote Ratte war alles, was er fand.

Es gibt im Leben…

Da hat sich einer ganz dem Ziel ergeben
nur ökologisch einwandfrei zu leben,
und kauft beim Biobauern zum Dinieren
Filets von handgefüttert aufgezognen Tieren.
Ach, wie er raste, wie er sich empörte,
als er im Fernsehn bald darauf die Wahrheit hörte.
Vielleicht wars ja noch nicht mal ungesund
es war auch Bio, aber es war Hund.

Es gibt im Leben…

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 7983837



 
 
 
 
 
Gefährliche Freunde
Ich fürchte mich vor Jack und Joe,
denn beide können Taekwondo.
Ich fürcht´ mich vor Beate,
denn die beherrscht Karate.
Ich fürchte mich vor Marylou,
denn sie ist Champion im Kung Fu.
Ich fürcht´ mich auch vor Udo
mit dem schwarzen Gurt im Judo.
Ich fürchte mich vor Nicolas,
der versteht als Boxer keinen Spaß.
Ich fürchte mich auch vor Susann,
weil die Jiu Jitsu kann.
Vor allem fürchte ich Ernest,
denn der gewann beim Schützenfest.
Ich fürcht´ mich selbst vor Guido,
der macht immerhin Aikido.
Alle meine Freunde waren mir ein Graus,
also suchte ich mir neue Freunde aus.
Doch nach kurzer Zeit schon war mir klar,
dass mit den neuen Freunden gar nichts besser war:
Ich fürchte mich vor Theodor,
der hat im Schrank ein Ofenrohr.
Ich fürcht´ mich vor Undine
mit ihrer Bohrmaschine
Ich fürchte mich vor Knut und Nils
aufgrund `nes unjuten Jefiels
Ich fürchte mich vor Werner
mit seinem Fleckentferner

Ich fürchte mich vor Tassilo
mit seinem großen Schnapsdepot.
Ich fürcht´ mich auch vor Friedrich,
dessen Reizschwelle ist sehr niedrig.
Ich fürchte mich vor Salomé
mit ihrem grünen Biotee.
Ich fürcht´ mich vor Tatjana,
die spricht gern vom Nirwana.
Auch mit diesen Freunden hatte ich kein Glück,
also zog ich mich nach und nach zurück.
Niemand da, dem ich vertrauen kann,
nicht einer Frau, nicht einem Mann.
Ich fühl´ mich einsam und ich weiß,
ich brauche einen neuen Freundeskreis.
Drum schaff´ ich mir `ne Dogge an,
einen Pitbull, einen Dobermann,
einen Rottweilerrüden und
natürlich einen Schäferhund.
Die können weder Taekwondo,
noch haben sie ein Schnapsdepot.
Die können Bohrmaschinen
zum Glück auch nicht bedienen.
sie haben viel Bewegungsdrang
und dulden keinen Leinenzwang.
Ich geh´ mit ihnen wandern
und Angst hab´n jetzt die andern.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 10386455



 
 
 
 
 
Geisterfahrer
Geisterfahrer steuern gegen die Norm,
Geisterfahrer sind nonkonform.
Geisterfahrer schwimmen gegen den Strom,
Geisterfahrer handeln autonom.
Geisterfahrer bürsten gegen den Strich,
Geisterfahrer haben alle gegen sich.
Geisterfahrer sind immer allein,
Geisterfahrer gehen keine Kompromisse ein.
Geisterfahrer sind zu allem bereit,
darum umgibt sie nie der Mief der Gewöhnlichkeit.

Geisterfahrer bleiben selten unentdeckt.
Geisterfahrer genießen großen Respekt.
Geisterfahrer sind die Kings auf dem Damm,
Geisterfahrer unterbrechen das Radioprogramm.
Geisterfahrer haben Nerven aus Stahl,
Geisterfahrer handeln illegal.
Geisterfahrer setzen sich über Schranken hinweg,
Geisterfahrer sehen immer Fronten, nie ein Heck.
Geisterfahrer fegen die Fahrbahn leer,
Geisterfahrer dulden keinen Gegenverkehr.

Geisterfahrer hassen die eingefahr´ne Spur,
Geisterfahrer lieben die Solotour.
Geisterfahrer erregen Zorn,
Autobahnschilder seh´n sie nie von vorn.
Geisterfahrer kommen selten in Staus,
Geisterfahrer lösen Panik aus.
Vor Geisterfahrern haben alle Schiss,
für Geisterfahrer ist die Zukunft ungewiss.
Geisterfahrer riskieren viel,
für Geisterfahrer ist der Weg das Ziel.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 9391721



 
 
 
 
 
Grüne Bohnen
Ich mach mir keine Illusionen
über grüne Bohnen.
Das lass ich sein, auf die fall ich nicht mehr rein.
Auch mit Sojasprossen
hab ich weitgehend abgeschlossen.
Auf alles andere lass ich mich gerne ein.

Ich träume manchmal von Flüssen in der Wüste,
von bunten Löchern in der grauen Nebelfront,
von guten Geistern in der Flasche
und vom Phönix aus der Asche
und ich warte gläubig auf den Silberstreif am Horizont.
Aber über grüne Bohnen
mach ich mir nicht mehr die geringsten Illusionen.

Es stirbt nicht jede Sippe
an Vogelgrippe.
Im OP tut mit Narkose gar nichts weh.
Und in den Skigebieten
der Dolomiten
fällt ab und zu sogar noch echter Schnee.

Es gibt Gummis, die niemals platzen
und nach neuesten Erkenntnissen steht fest,
dass auch ein unbeschrieb´nes Blatt
einen Inhalt hat und dass
sich aus Scheiße gelegentlich Konfekt machen lässt.
Aber über grüne Bohnen
mach ich mir nicht mehr die geringsten Illusionen.

Nicht jeder Mann mit einem Messer
ist ein Menschenfresser.
Nicht jeder Richter im Talar
verlangt gleich was in bar.
Nicht jeder Tigerkralle
geht man in die Falle.
Mancher Auftragskiller wurde später Missionar.

Wir stammen alle ab vom selben Affen
oder eventuell sogar vom selben Gott.
Deshalb vermute ich sehr gern
das weiche Herz, den guten Kern –
selbst bei Leuten wie Jack the Ripper und Pol Pot.
Aber über grüne Bohnen
mach ich mir nicht mehr die geringsten Illusionen.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 10386461



 
 
 
 
 
Herr Müller hat sich ein Vermögen geschafft
Herr Müller hat sich ein Vermögen geschafft,
ein kleines Chemiewerk, aus eigener Kraft.
Da kam ein Herr vom Umweltamt,
“Herr Müller, also nein!
Sie schütteten in den vergangenen Jahren
zuviel Abfallgift in den Rhein.“

Da sprach Herr Müller: „Na, wie dem auch sei,
sie woll´n wohl die totale Gleichmacherei.
In diesem Land kann ich ganz frei
in meinen Entscheidungen sein.
Und ich schütte soviel Abfallgift, wie ich will,
in die Elbe und auch in den Rhein.“

„Dann, äh, setzen wir ihnen, äh, halt eine Frist,
nicht weil ihr Gift so gefährlich ist.
Nur leider, ihr hochgefährlicher Müll,
der stinkt eben etwas zu sehr.
Drum fällt er den Leuten so deutlich auf,
also schütten sie´n bitte ins Meer!“

Der Giftmüll ist im Meer versunken
und hat dort auch nicht mehr gestunken.
Drauf stellte das umweltbewusste Amt
den Vorgang Müller ein,
denn jetzt liegt das Abfallgift zwar im Meer,
aber dafür liegt´s nicht mehr im Rhein.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 8145686



 
 
 
 
 
Ich möchte meine Katze therapieren
Ich möchte meine Katze therapieren,
denn ich bin Vegetar und Pazifist.
Ich kann es nicht mehr länger akzeptieren,
dass sie Mäuse und kleine Vögel frisst.
Ich möchte meiner Katze abgewöhnen,
ein mordendes Monster zu sein.
Ich will sie mit der ganzen Welt versöhnen
und wirke therapeutisch auf sie ein.

Die Katze liegt behaglich auf dem Kissen
bei Schummerlicht und freundlicher Musik.
Ich rede ihr beharrlich ins Gewissen,
die Katze zeigt kein bisschen Selbstkritik.
Ich sage sanft und streichel ihre Wange,
dass man sich ohne Mord ernähren kann
und zeig‘ ihr zum Beweis ´ne Vollkornstange.
Sie fährt die Krallen aus und faucht mich an.

Ich reich´ ihr Käsehäppchen und Bananen,
erzähl´ von Mitleid und Humanität.
Wenn sie nicht störrisch wäre, könnte sie erahnen,
was man so machen darf und was partout nicht geht.
Ich les´ ihr vor von Kant und Schopenhauer.
Das böse Vieh lässt sich darauf nicht ein.
Sie liegt voll geiler Mordlust auf der Lauer,
die Katze ist ein unmenschliches Schwein.

Die Bestie geht wohl weiter über Leichen,
was mich alles andre als erfreut.
Ich konnte ihre Seele nicht erreichen.
Vielleicht war ich der falsche Therapeut.
Sie hat schon wieder Blut an ihrer Tatze
und hält im Maul den Rest von einem Spatz.
Der Therapieversuch mit meiner Katze
war ohne jeden Zweifel für die Katz.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 8145640



 
 
 
 
 
Kann denn Diebstahl Sünde sein?
– Frage eines selbsbewussten Kleptomanen –

Kann denn Diebstahl Sünde sein?
ist es eine Schande, wenn man was nimmt,
wenn man frei und selbstbestimmt
was nimmt?
Kann es wirklich Sünde sein,
wenn man in die eigne Tasche was lenkt,
an den eignen Vorteil nur denkt,
sich selbst beschenkt?
Niemals werde ich bereuen,
was ich tat und was aus Lust am Stehlen geschah!
Das musst du mir schon verzeihen,
dazu ist fremdes Eigentum doch da.
Diebstahl kann nicht Sünde sein!
Und wenn er´s auch wär, so wärs mir egal.
Lieber will ich sündigen mal,
als ohne was zu sein.
Jeder kleine Spießer macht das Leben mir zur Qual,
denn er spricht nur immer von Moral.
Und was er auch denkt und tut, man merkt ihm leider an,
dass er niemand glücklich sehen kann.
Sagt er dann, zu meiner Zeit gab es so was nicht,
dann frag ich voll Bescheidenheit, mit lächelndem Gesicht:
Kann denn Diebstahl Sünde sein?
Ist es eine Schande, wenn man bei Nacht
gerne lange Fingerchen macht,
bei Tag und bei Nacht?
Kann es wirklich Sünde sein,
wenn man sich auf Taschendiebstahl versteht,
wenn man englisch einkaufen geht,
diskret?
Niemals werde ich bereuen…
Was die Welt auch denkt von mir, das ist mir einerlei,
ich bleib meiner Linie immer treu.
Alles möcht ich haben, was viel zählt auf dieser Welt,
Autos oder Schmuck, am besten Geld.
Da bleibt doch kein Mensch immun
Geld macht jeden an.
Und ohne was dazu zu tun
wird so mancher Kleptoman.
Kann denn Diebstahl Sünde sein?
Was macht´s, wenn man fremde Börsen beschaut,
jemand andern bis auf die Haut
beklaut?
Kann es wirklich Sünde sein,
wenn man gerne viele Dinge besitzt,
dafür raffiniert und gewitzt
stiebitzt?
Niemals werde ich bereuen…

Text: Dietrich Plückhahn
Musik: Kann denn Liebe Sünde sein?



 
 
 
 
 
Kapitaltango
Beim Hantieren mit Wertpapieren
kann man sich grauenvoll verkalkulieren.
Fonds und Devisen, auch Immobilien,
ja, selbst Brillanten zähl’n zu den riskanten Utensilien.

Da hat ein Wirtschaftsbos die besten Referenzen
und ist als Koriphäe anerkannt.
Doch irgendwann kommt jeder Mensch an seine Grenzen,
und er setzt elegant, mit sichrer Hand
Milliarden in den Sand.

Bei Transaktionen, die sich nicht lohnen,
zerplatzen unversehens die schönsten Illusionen.
Wie leicht verschwindet vom eignen Teller
das beste Stück, denn die Konkurrenz war wieder schneller.

Nur die Rendite zählt, da hilft kein Lamentieren.
Für looser gibt es wenig Toleranz.
Wer abkassieren will, der muss auch was riskieren.
Und finden rote Zahlen keine Akzeptanz,
dann fälscht man eben die Bilanz.

Der geile Traum von Dividende
führt, wie man weiß, nicht immer zu `nem richtig geilen Ende.
Und als Gestalter am größten Schalter
sitzt dann im Zweifelsfall der Insolvenzverwalter.

Bekannte Firmen, Reklamen, Traditionen
verdampfen rückstandslos im Nichts, ganz ohne Charme.
Da helfen nicht mal die gewagtesten Fusionen.
Doch wer was davon versteht, dem wird ums Herz nur warm
mit fremden Kapitalanteilen unterm Arm.

Falsch investiertes Kapital
bringt nur Verdruß. Drum die Moral:
Es wurde oft, man sei gewarnt,
der große Coup als Bluff enttarnt.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 7983763



 
 
 
 
 
Keine Frustrationstoleranz
Vor einem Jahr hatte ich beinah die Frau fürs Leben.
Leider ging´s wieder mal knapp daneben.
Erotisch war sie ziemlich außer Konkurrenz
und sie hatte auch so was wie soziale Kompetenz.
Schön war sie, von den Fußnägeln bis zu den Haaren,
doch dann bin ich bei ihr im Auto mitgefahren.
Das Ende dieser Fahrt gab mir den Rest,
denn am Zielort stellte ich ernüchtert fest:

Sie kann nicht rückwärts einparken. Sie kann nicht rückwärts einparken.
Sie kann nicht rückwärts einparken. Da hilft kein Flennen,
die war aus dem Rennen,
denn nur mit einer, die einparken kann,
fang ich überhaupt was an.
Und das genau
fehlte mir bei dieser Frau.

Danach war ich kurz mit einer liiert,
die hatte sich total auf mich fixiert.
Sie gefiel auch mir, nicht zu schlank, nicht zu fett,
sehr charmant und adrett, auch im Bett wirklich nett.
Sie war spritzig und witzig und konnte lachen
und sich ernsthafte Gedanken machen.
Leider ging´s auch mit dieser schief,
denn was merkte ich am Samstag als die Sportschau lief?

Sie steht auf Bayern München. Sie steht auf Bayern München.
Sie steht auf Bayern München. Dafür könnte ich sie,
na, lynchen wäre vielleicht übertrieben,
aber mit der falschen Mannschaft war diese Braut
ganz einfach out.

Aber dann kam eine, bei der war alles o.k.
Sie konnte einparken und stand auf Hertha BSC.
Doch die sagte nach drei Wochen, ich sei jetzt ihr Ex,
denn ich dächte nur an fressen, saufen und Sex.
Echtes Gefühl hätte sie bei mir vermisst,
ich sei der letzte Arsch und ein Egoist,
der Tiefpunkt ihrer Beziehungen sogar.
Zuerst war ich sehr traurig, doch dann wurde mir klar:

Die hat keine Frustrationstoleranz. Die hat keine Frustrationstoleranz.
Die hat keine Frustrationstoleranz. Und damit liegt das Problem
ganz klar bei ihr,
allein bei ihr
und nicht bei mir.
Und nur darum geht’s hier!

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA Werknummer 11877656



 
 
 
 
 
Klara Fall
Bequem ist´s auf dem Sofer,
wenig Sprit verbraucht ein Mofer.
Der Heinz liebt die Rebekker,
Den Muslim zieht´s nach Mekker.
Der Forscher schaut durchs Prismer,
Langweilern fehlt Charismer.
Die Erde hat viel Magmer,
manche Frau ein Diafragmer.

Tralerler, tiralerler.

Bei schlechtem Aromer
fällt mancher Mensch ins Komer.
Der Dichter schreibt ein Dramer,
in den Anden lebt das Lamer.
Der Papergei spricht ab und zu,
genau so wie der Kakerdu.
Auf alpher folgt beter,
am Christbaum hängt Lermetter.

Tralerler, tiralerler.

Es kämpft der Stier in der Arener
in Seviller, nicht in Jener.
Die Fater Morganer
führt manchen ins Nirwaner.
Ein Spatz auf der Verander
macht manchmal Propergander.
Florer und Fauner
gehör´n nicht in die Sauner.

Tralerler, tiralerler.

Dagegen Wadenbeißa
sind ausgesproch´ne Scheißa.
Doch hast du eine Mutta,
dann fehlt´s dir nie an Futta.
Und schlägst du deinen Vata,
dann musst du zum Psychiata.
Und ich, ich muss auf jeden
Fall nie zum Logopäden!

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 10386462



 
 
 
 
 
Kleine Vogelkunde
Ein wirklich netter Vogel ist der Schluckspecht.
Der Rohrspatz schimpft mir meistens viel zu laut.
Es haben Rabeneltern keinen Sinn für Unrecht.
Die Elster gilt als diebisch, weil sie klaut.
Als Nachteule zu leben, muss man büßen.
Man büßt es im Gesicht mit Krähenfüßen.
Der Pechvogel hat selten Grund zum feiern,
und sang die Schnapsdrossel zu laut, dann muss ich reihern.

Man darf so manches nur in Gänsefüßchen sagen.
Das Kuckucksei ist bloß ein Simulant.
Der Strauß, den Kopf im Sand, stellt keine Fragen.
Der Dreckspatz und der Schmutzfink sind verwandt.
Tauben kann man im Park vergiften,
obwohl sie doch angeblich Frieden stiften.
Das blinde Huhn hat keine Adleraugen
und Hühneraugen sind die Augen, die nichts taugen.

Der Falke gilt als ausgesprochner Krieger.
Die Schnepfe zofft sich mit der dummen Gans.
Bei Hahnenkämpfen gibt’s nur einen Sieger.
Der eitle Pfau bewundert seinen Schwanz.
Man rechnet ihn zum Kreis der schrägen Vögel.
Die Galgenvögel kennen keine Regel.
der Pleitegeier, der verdirbt die Preise.
Wer keinen Vogel hat, hat wenigstens ne Meise.

Die Nachtigall singt liebliche Sonaten.
Den Kranich ziert ein schöner Federschopf.
Der stolze Schwan eignet sich nicht als Braten.
Der Wiedehopf stinkt wie ein Wiedehopf.
Dem Unglücksraben geht man möglichst aus dem Wege.
Für Kuckucksnester fehlen die Belege.
Gerupften Hühnern bleibt meist nicht eine Feder.
Was es mit Vögeln auf sich hat, weiß beinah jeder.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA Werknummer 11877658



 
 
 
 
 
Marlene
Marlene, ach, Marlene,
du hast die aller-, aller-, allerschönsten Zähne.
Sie sind so wohlgeformt und glitzern wie Brilliant.
Ich weiß, Marlene: deine Zähne sind riskant.

Du sagst, dein Herz sei zu Hause in Spanien,
in Argentinien, Venezuela, Ecuador.
In Wirklichkeit kommst du aus Transsilvanien,
da machst du mir schon lange nichts mehr vor.
Ich seh´ dich immer wieder gierig glotzen,
wenn ich mich schneide und ein Tröpfchen Blut verlier´.
Und ess´ ich Knoblauch, dann musst du immer kotzen.
Nun rat´ mal bitte, wie ich das interpretier´!

Marlene, ach Marlene,
du hast die aller-, aller-, allerschönsten Zähne.
Sie sind so wohlgeformt und so strahlend weiß
Marlene, deine Zähne – mir wird kalt und heiß.

Du tanzt den Tango, nur um dich nicht zu verraten.
Doch neulich sah ich dich durch einen Spalt der Tür
bei einem schauerlichen Tanz aus den Karpaten
und seitdem fürchte ich mich noch viel mehr vor dir.
Ich muss vor Angst sogar manchmal richtig flennen
und frag´ mich, wann saugst du mein Blut in deinen Mund.
Ich will mich trotzdem niemals von dir trennen
und dafür gibt es einen wirklich guten Grund:

Marlene, ach, Marlene,
du hast die aller-, aller-, allerschönsten Beene.
Und darum geb´ ich dich nicht so einfach auf
und nehm´ das Risiko missbilligend in Kauf.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 9017150



 
 
 
 
 
Mein Doppelgänger
Mich hat mein Doppelgänger
auf Unterlassung verklagt,
hat mir, dass ich so ausseh wie er,
untersagt.
Er hat mir verboten
mit seiner Visage rumzugehn,
bei Zuwiderhandlung will er mich
im Gefängnis sitzen sehn.
Er hat meine Ohren, meine Arme, meine Beine, hat mein Augenpaar,
er hat ne Glatze wie ich.
kurzum, er gleicht mir bis aufs Haar.
Er hat mein Kinn, hat meinen Mund.
Die Figur, das Nasenbein,
der Hals, die Stimme, überhaupt alles
stimmt überein.
Er ist Artist
wie ich und Sänger,
mein doubledi doubledi doubledi doubledi Doppelgänger.

Der hat sich auch einfach ganz dreist
meinen Namen zugelegt,
geh ich zur Bank,
dann hat er bereits mein Konto leergefegt.
Der ist immer vorher da
und stiehlt mir überall die show,
auf jeder Party, auch im Büro
sägt er an meinem status quo.
Der taucht auf, wo’s ihm grade passt
und drängt mich raus aus jedem team.
Selbst meine Frau und meine Kinder
verwechseln mich ständig mit ihm.
der sitzt im Flugzeug mit meinem Ticket
und mich lässt man nicht mehr rein.
Dass der nur die Zweitausgabe ist,
sieht leider kaum jemand ein.
Für mich wird die Luft langsam dünn,
der Atem von dem ist länger,
von meinem doubledi doubledi doubledi Doppelgänger.

Der okkupiert mein ganzes Umfeld,
ich fühl mich regelrecht gejagt,
und jetzt hat er mich auch noch
auf Unterlassung verklagt.
Mein alter ego tritt an meine Stelle,
meine Eigenwahrnehmung ist hin
Ich weiß selbst schon manchmal nicht mehr genau,
welcher von beiden ich bin.
Ich werde mich rächen an meinem double
für meine verlorene Identität.
Ich weiß auch schon wie:
Ich lass mich klonen
und zwar so oft, wie’s nur geht,
denn wenn erstmal der Dreifache,
Vierfache, Fünffache, Sechsfache
die Bildfläche betritt,
dann kommt der double vermutlich
auch nicht mehr so richtig mit.
Dann wird auch für den die Schlinge immer enger,
für meinen doubledi

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 7983845



 
 
 
 
 
Mike, der Kneipier
Ein perfekter Gastwirt

Mike, du bist als Gastwirt der absolut perfekte Mann.
Du bist einer, der wie keiner sonst ´ne Kneipe führen kann.
Du tust alles für die Gäste, um sich wohlzufühlen
auf deinen wackligen Kneipenstühlen
mit deiner unnachahmlichen Art wirkst du wie
ein Leuchtfeuer der Gastronomie.
Kommen erwartungsvoll Gäste zu dir
dann fragst du mit den Augen: „Wat woll’n se denn hier?“
Bitten sie dann um die Speisekarten
lässt du sie zur Strafe ganz lange drauf warten.
Mahnt ein Gast nach einer Stunde sein Essen an
dann sagst du: „Wir sind hier keen Schnellrestaurant.“
Du erziehst deine Gäste zur Demut,
das ist deine Betriebsphilosophie.
Mike, du bist ein echtes
Leuchtfeuer der Gastronomie.
Ist Speck im vegetarischen Gemüse,
dann sagst du: „Na, det bisschen Speck …“
Und stört sich wer dran, dass die Tischfläche klebt,
machst du den Vorschlag: „Wischen se’s doch selber weg!“
Wimmelt‘s im Salat von kleinen Tieren
dann stellst du fest: „So wat kann schon mal passieren.“
Du erziehst deine Gäste zur Demut
und stößt sie gern vor den Kopp.
Mike, du hast als Gastwirt
den absolut passenden Job.
Ist das Steak statt Medium halb verkohlt,
sagst du: „Hätten Se’s doch selbst aus der Pfanne jeholt!“
Und beschwert sich wer über das dreckige Klo
dann heißt es: „Nu hab’n se sich mal nich so!“
Wann du schließen willst (Die Zeit für letzte Bestellung) kriegt man vorher nicht raus.
Wenn’s dir reicht, drehst du einfach die Lichter aus.
Du machst deinen Job als Gastwirt
wirklich optimal.
Mike, wann kriegst du endlich
fünf Sterne für dein Lokal?

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 20639175



 
 
 
 
 
Multikulti
Der Achmed spielt bei Real Madrid
und der Wladimir macht bei Inter Mailand mit.
Der François trainiert einen afrikanischen Verein
und den John kaufte man in Brasilien ein.
Und der Hansi aus dem Kaiserstuhl
steht im Tor bei Fenerbahçe Istanbul.
während Mustafa zu Bayern München geht –
das ist multikulturelle Globalität.

Herr Long Son Min aus Singapur
ist Produzent einer schwarzwälder Kuckucksuhr.
Den Kakaoanbau in Suaheliland
hat Herr van Dam aus Amsterdam fest in der Hand.
Britisches Konsortium baut Schiffe in Schanghai
und ein Ananasexporteur auf Hawaii
hat bei Daimler-Chrysler großes Aktienpaket –
das ist multikulturelle Globalität.

Das Waffenarsenal in Senegal
besteht aus allerfeinstem Schwedenstahl.
Der Mudschahedin in seinem Wüstenloch
Hat Präzisionsgewehr von Heckler & Koch.
Türkei schafft sich deutsche Panzer an,
mit Kalaschnikow schießt der Hisbollamann.
so sorgt man überall von früh bis spät
für multikulturelle Globalität.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 9017159



 
 
 
 
 
Nur der Ralf
Keiner ist für neueste Technik zu dumm.
Alle gehen kompetent damit um.
Alle machen den Mouseclick an der richtigen Stelle,
alle basteln die perfekte Exceltabelle.
Keiner zeigt die geringste Schwäche
beim Umgang mit der neuen Bildschirmoberfläche
und auch im neuen Betriebssystem
hat keiner ein Orientierungsproblem.
Keiner läuft Gefahr, die Nerven zu verlieren
beim Versuch, seinen Laptop neu zu konfigurieren,
und zum surfen in der virtuellen Welt
haben alle ihren Browser richtig eingestellt.

Nur der Ralf, nur der Ralf
macht alles falsch.

Keiner muss über sein (defektes) W-Lan fluchen
und beim Netzwerkdrucker nach dem Fehler suchen.
Alle drücken (immer) auf den richtigen Knopf,
Alle haben ihre Geheimzahl im Kopf
für das Tablet oder Smartphone, keiner hat Kummer
mit ner falsch notierten Kreditkartennummer
und vor nem fremden Fahrscheinautomaten
muss niemand wirklich in Verzweiflung geraten.
Keiner fühlt sich (ernsthaft) überfordert,
wenn beim neuen DVD-Recorder
alles völlig anders geht
als wies in der Gebrauchsanleitung steht.

Nur (der) Ralf, nur der Ralf
macht alles falsch.

In Hilfemenüs steht alles eindeutig drin.
Nur Ralf kriegt ohne fremde Hilfe nichts hin.
Wenn der Hinweis auf ein neues Update aufpoppt,
dann hält sich Ralf völlig zurecht für bekloppt.
Den Flashplayer aktualisieren,
den Energiesparmodus als Standard definieren,
Mit alledem hat Ralf seine liebe Not
und stellt sich an wie der letzte Vollidiot.
die einfachsten Sachen kriegt er nicht gebacken.
Er kann nicht den simpelsten Zugangscode knacken.
Er ist außerstande, JavaScript zu verstehen
und kann noch nicht mal mit HTML umgehen.
Auch Fernbedienungstasten mit Programmen belegen,
ist für keinen ein Kunststück. Ralf dagegen
versagt auch hier und ist nach kürzester Zeit
die personifizierte Hilflosigkeit.

Keiner stellt eine dämliche Frage,
zum Handling der neuen Telefonanlage.
Und jeder klickt auf den richtigen Botton,
Um eine schlechte Verbindung zu cutten.
Alle kommen klar mit der Installation
jedweder Software in aktuellster Version.
Und niemand legt sich entnervt die Karten,
wenn erliest, er soll das Setup zum zehnten Mal starten.
Keiner hat den Akku zu laden vergessen,
keiner löscht unter „Kontakte“ aus Versehn alle Adressen,
keinem fehlt das Passwort fürs Log in.
Nur einer, nämlich Ralf, kriegt natürlich nichts hin.

Alle andern sind die perfekten User.
Nur der Ralf, nur der Ralf, der ist ein Loser.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 20639176



 
 
 
 
 
Oh armes Schwein, wie jämmerlich
(Choral für ausgemusterte Politiker)

Oh armes Schwein, wie jämmerlich
und schmachvoll die Blamage.
Wie hemmungslos ergötzt man sich
an deiner Demontage.
noch gestern warst du voll dabei,
heut gab man dich zum Abschuss frei,
die Medien pinkeln dir ans Bein,
mit scharfem Strahl), oh armes Schwein.

Man weicht dir auf dem Golfplatz aus,
es meiden dich die Freunde.
Fort ist der Schutzmann vor deinem Haus,
fort ist die Fangemeinde.
Verkehr’n mit dir will keiner mehr,
es grüßt nicht mal dein Ex-Chauffeur.
Der Ruf ist hin, das Renomee,
der Dienst-Mercedes auch passé.

Bereitet’s dir auch Schmerz und Qual,
du gehst doch nicht zuschanden.
Es kommt nicht gar so katastrophal,
du wirst im Weichen landen.
Zwar verlierst du jetzt dein hohes Amt,
auch ist dein Status angeschrammt,
doch kursierst du schon als Kandidat
für so manchen Aufsichtsrat.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 7983804



 
 
 
 
 
Opfermut
Das Lieblingshaustier meines Freundes Viktor
war eine ewig hungrige Boa Constrictor.
Ihr Fressverhalten machte Viktor großen Kummer,
Carpaccio fraß sie nicht, sie fraß auch keinen Hummer.
Sie fraß kein Steak, nicht mal mit Kräuterbutter,
denn so ein Würgetier braucht nun mal Lebendfutter.
Und Viktor ging daran, mit festem Willen
den Hunger seines Würgetiers zu stillen.
Als erstes Opfer blieb zu diesem Zwecke
der Pitbull seines Nachbarn auf der Strecke.

Der Pitbull schmeckte ihr.
Es gab schon Wochen später
im ganzen Viertel kaum noch einen einzgen Köter.
Denn hinter jedem Baum und hinter jeder Mauer,
da lag der Viktor mit dem Lasso auf der Lauer.
Auch alle Ratten, Katzen, Eichhörnchen und Tauben,
die mussten für das Schlangentier dran glauben.
Und manche Rentnerin vergoß so manche Träne
für die im Stadtparkteich nicht mehr vorhand´nen Schwäne.
Indes die Boa in Viktors Keller
fraß immer mehr und sie verdaute immer schneller.

Doch Viktor ließ sein Lieblingstier nie lange warten.
Sein nächstes Ziel war der Zoologische Garten.
Dort stahl er Gemsen, Antilopen, sogar Affen,
um für das Würgetier Proviant heranzuschaffen.
Da hat der Zoodirektor schließlich eingegriffen,
rings um den Tierpark alle Mauern glattgeschliffen
und jedes Tiergehege einzeln abgeriegelt,
da war das Schicksal der Boa fast besiegelt,
denn Viktor stellte das vor höchst unangenehme,
kaum noch zu lösende Nachschubprobleme.

Die Boa krümmte sich vor Hunger, fauchte wütend.
Und Viktor, lange über einer Lösung brütend,
ging schließlich selber kurzentschlossen in den Keller
und setzte sich vor seiner Boa auf nen Teller,
um ihr auf diese Art ein Festmahl zu bereiten.
Den Zuhörern erspar ich Einzelheiten.
Ja, Viktors Opfermut muß einen Stein erweichen
und er bekam deshalb posthum als Ehrenzeichen
vom Veterinäramt der Stadtverwaltung
den Orden für artgerechte Haltung.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 7983701



 
 
 
 
 
Papas Spielzeug
In seinem Waffenschrank hat der Papa
ne Beretta und ne Walther PPK,
ne Smith & Wesson, ne Browning und ein Schnellfeuergewehr
und jeden Samstag schießt er seine Magazine leer.
Für all das hat der Papa einen Waffenschein
und in den Waffenschrank schließt er seine Waffen ein.
Das tut er, damit er ruhig schlafen kann.
Der Schlüssel ist versteckt, da kommt kein Unbefugter ran.
Dass jemand anders an den Schrank geht, lässt Papa nicht zu.
Auch für den Junior ist der Waffenschrank tabu.

Dem Junior, siebzehn Jahre alt, hat Papa beigebracht,
wie man lädt und wie man zielt und Waffen sauber macht.
Denn er hält´s für wichtig, dass ein junger Mann
mit ner Schusswaffe verantwortungsvoll umgeh´n kann.
Eines Abends will der Papa vor dem Schlafengehn
in seinem Waffenschrank noch mal nach dem Rechten sehn.
Er greift ins Versteck und sein Herz macht einen Satz:
Der Schlüssel für den Waffenschrank ist nicht mehr am Platz.
Die Tür steht offen und der Schrank ist leer.
Die Pistolen fehlen und das Schnellfeuergewehr.

Dem Papa setzt sekundenlang der Atem aus.
Er sucht den Junior, aber der ist nicht im Haus.
Erst zögert Papa noch, doch einerlei,
was sein muss, muss sein. Er ruft die Polizei.
Als die eintrifft ist es schon kurz vor Mitternacht,
doch der Fall ist ernst und wird zur Chefsache gemacht.
Da man den Junior über Handy nicht orten kann,
läuft sofort eine großflächige Fahndung an.

Derweil befragt ein Psychologe die Eltern nach dem Sohn.
Der sei völlig normal, sagt Papa in gereiztem Ton.
Die Mama aber schluchzt, ihr Sohn sei Schulversager
erst war er Bettnässer, jetzt ist er Fingernagelnager.
Dabei schenken ihm die Eltern jeden Tag ne DVD,
alle halbe Jahre mindestens nen neuen PC,
für die Geburtstagsparty ließ man grad 6000 Euro springen.
daneben versuchen sie, ihm Werte beizubringen.
Was soll man denn noch machen, heult die Mama laut,
während Papa verbissen an der Unterlippe kaut.

Die Polizei indessen fahndet ohne Rast und Ruh,
denn eins ist Klar: Irgendwann schlägt der Junior zu.
Seine Schule ist bereits durchsucht und weiträumig umstellt,
der Polizeichef hat zu tun, dass er die Presse abseits hält.
Er teilt Befehle aus, koordiniert am Telefon.
Ganze Hundertschaften durchkämmen die Region,
sie forschen hinter jeder Wand und hinter jedem Zaun
und finden den Gesuchten im späten Morgengraun.

Mit ein paar andern Jungs hat man ihn aufgespürt,
alle gut gelaunt und alkoholisiert.
Die hatten nur zum Spaß in einem abgelegnen Wald
mit Papas Waffen bisschen rumgeknallt.
Der Polizeichef legt sich schlafen, die Eltern atmen auf.
Natürlich gibt´s ein Nachspiel, das nimmt Papa gern in Kauf.
Er hat durch die Geschichte zwar reichlich Schererein,
doch woraufs ihm ankommt, er behält den Waffenschein.
Und sein Lieblingsspielzeug ist zum Glück auch wieder da:
die Beretta und die Browning und die Walther PPK.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 11877661



 
 
 
 
 
Pasewalk
Es gibt eine Stadt namens Pasewalk,
beschaulich, verschlafen und klein.
Sie liegt nicht am Highway 61,
sie liegt an der B 109.

Da fließt nicht der Mississipi,
auch der Ozean ist ziemlich weit weg.
Doch die Leute in Pasewalk an der B 109,
die scheren sich darum ´n feuchten Dreck.

Ich fuhr vorbei am Ortseingangsschild
und ich fuhr vorbei an manchem Haus,
quer durch Pasewalk auf der B 109
und nach vier Minuten war ich wieder raus.

Mal angenommen, diese Stadt hieße (engl.) Pasewalk
und sie hieße nicht Pasewalk,
dann gäb es dort Bourbonwhiskey
und keinen klaren vorpommerschen Alk.

So wahr ich hier fahr´, am Rand von Meckpomm,
ich schwör´ bei meinen Bluejeans:
auf der B 109 kommt man nach Pasewalk
und niemals nach New Orleans.

Text: Dietrich Plückhahn
Musik: The House of the Rising Sun



 
 
 
 
 
Perlen vor die Sau
Ach, wie schön wär´ ein Brillant
an jedem Finger deiner Hand.
Ach, wie schön wär´ ein Smaragd,
auf dein Nasenbein gepackt.
Ach, wie schön wär´ ein Rubin
auf deinen hinteren Partien
und ein Lapislazuli
an deinem Knie.

Doch leider hast du für Ästhetik keinen Sinn,
wenn ich dir ein Schmuckstück zeig´,
guckste gar nicht hin.
Ich schenk´ dir keine Perlen,
denn ich weiß genau,
jede Perle für dich
wär´ ´ne Perle vor die Sau.

Ach, wie schön wär´ ein Achat
auf deiner Brust und ein Granat
auf der Stirn, welche Zier
in deinem Nabel ein Saphir.
Ein Topas auf jedem Arm,
ja auch so was hätte Charme
Und ein Opal
auf deinem Genital.

Doch leider …

Ja, ich brachte aus Toulon
dir das schöne Medaillon,
aus Florenz den Türkis
und das Kettchen aus Paris.
Du nahmst keinerlei Notiz
selbst von dem Ring aus St. Moritz,
auch den Edelstein aus Cannes
guckst du nicht an.

Denn leider …

Nur aus Rom der Absinth
und der Ouzo aus Korinth
und der Scotch aus dem Fass
und der Rum aus Caracas
und der Brandy aus Madrid
und der schwarz gebrannte Sprit,
auch der Bourbon aus Detroit
hat dich erfreut.

Denn leider hast du für Ästhetik keinen Sinn.
Wenn ich dir ein Schmuckstück zeig´,
guckste gar nicht hin.
Doch wink ich mit ´nem Fläschchen,
lächelst du mich an.
Endlich weiß ich, womit ich dich
richtig glücklich machen kann.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 8145691



 
 
 
 
 
Reisepläne
Hab ich mir was vorgenommen,
leider ist’s nie dazu gekommen
Wollt ich machen immer schon
Urlaub in Sowjetunion.
Zu spät. UdSSR
is kaputt und gibts nich mehr.
Gibts nich mehr is übertrieben,
Restmasse is ja geblieben.
Fahr ich also Eisenbahn
Von Simbirsk nach Dagestan,
von Archangelsk nach Smolensk
oder gleich nach Werchowensk,
von Sewastopol in einer Tour
übern Baikal zum Amur.

Taiga, Tundra, lange Strecken,
Sankt Leningrad und Donez-Becken,
westlich, östlich vom Ural,
Transkaukasien, ganz egal.
Wo ich will mich hinbegeben,
kann ich immer was erleben:
Auf Kamtschatka Krebse kaufen,
in Odessa Krim-Sekt saufen,
Kaviar fressen in Unmassen,
Rubel immer rollen lassen.
Ukraine, wo Kosaken
übern Säbel spring’n mit Hacken.
Wird Folklore mir zuviel,
fahre ich nach Tschernobyl.

Olga lebt am Aralsee.
Abschied wird ihr tuen weh.
Ich fahr lieber nach rupzowsk
oder nach Dnjepropetrowsk,
nach Murmansk oder Minsk
oder Semipalatinsk.
Jeden Tag russisch-Roulette.
Nihsni-Nowgorod, ganznett.
Moskau, wo mit leisem Schauer
könnt ich gehn zu Kremlmauer.
Am Baikalsee, dem Stinkeloch,
tote Fische sammeln, doch
zum Wodkabrennen in Taschkent
fehlt mir das Talent.

Winter in Wladiwostok
is zu kalt für Minirock
und auf Insel Sachalin
friert beim Pinkeln der Urin.
In Jakutsk auch kalte Tage
und im Sommer Mückenplage.
Könnt ich noch nach Tiflis gehn,
Grosny war auch mal sehr schön.
Joi, joi,joi, was soll das werden?
Langsam krieg ich Schluckbeschwerden
Sind mir auch zu hohe Preise
für so eine weite Reise,
is mir auch zu großes Land,
bringt mich um Verstand.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 7983854



 
 
 
 
 
Rotkäppchen und die Wölfe
Das Rotkäppchen wollt´ (im Wald) spazierengeh´n,
spazierengeh´n, spazierengeh´n.
Da hat es den bösen Wolf geseh´n
und fand ihn ganz reizend und wunderschön.
Es nahm den Wolf mit zu sich nach Haus,
sie tranken zusammen ein paar Fläschchen aus.
Und weil das Rotkäppchen so begeistert von ihm war,
fraß es den bösen Wolf mit Haut und Haar.

Der Wolf hat dem Rotkäppchen gut geschmeckt,
so gut geschmeckt, so gut geschmeckt.
Es hat sich den ganzen Tag die Lippen geleckt
und danach hat sich´s wieder im Wald versteckt.
Da kam ein anderer Wolf vorbei,
das Rotkäppchen sprach: „Wie bist du schön, ei, ei.“
Es nahm den Wolf mit zu sich nach Haus
und sie tranken zusammen ein paar Fläschchen aus.

Der Wolf hat dem Rotkäppchen gut geschmeckt…

So geschieht jeden Tag ein neuer Mord
usw., usw., usf.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 10386467



 
 
 
 
 
S-Bahnblues
In Berlin sind die Menschen sehr mobil
immer unterwegs zwischen Start und Ziel.
Zum Beispiel ich will von Zehlendorf nach Friedrichshain
und steige hoffnungsfroh in eine S-Bahn ein.
Die kam schon zehn Minuten später (an) als vorgeseh´n
und bleibt dann kurz nach der Abfahrt auf freier Strecke steh´n
zwischen Nikolassee und Grunewald.
Die Heizung funktioniert nicht und draußen ist es kalt.

Das ist der S-Bahnblues.
Das ist der S-Bahnblues.
Das ist der S-Bahnblues.
Wenn du es eilig hast
geh doch zu Fuß!

Man erfährt natürlich nicht, warum der Zug hier steht
und schon gar nicht, wann die Reise weiter geht.
Nach einer Stunde fahrn wir endlich in einen Bahnhof ein.
Aus dem Lautsprecher hört man eine Stimme schrein:
Wir bitten ihnen um ihr Verständnis.
Äh, we please you for your understanding
Auf dieser Strecke fahren heute keine Züge mehr.
Benutzen sie stattdessen den Ersatzverkehr!

Das ist der S-Bahnblues

Also Ersatzverkehr. … Hm …
mit wem denn (eigentlich)?
Ach so, mit Bussen.
Alle Fahrgäste laufen um den Bahnhof rum
und seh´n sich nach dem Schienenersatzbus um.
Schließlich kommt so ein Ersatzbus auch in Sicht
aber der ist (schon) voll. (und) nen zweiten gibt es nicht.

Das ist der S-Bahnblues

Die Berliner S-Bahn ist gar nicht so schlecht wie ihr Ruf.
Sie ist noch viel schlechter.
An Pleiten, Pech und Pannen hat man sich inzwischen aber so gewöhnt
dass sich keiner mehr ernsthaft drüber aufregt.
Wo käme man denn auch hin
wenn man sich über alles aufregen würde.

Der neue Großflughafen in Schönefeld
wird das Berliner Tor zur Welt.
Auch bei ihm hält man keinen Zeitplan ein.
Warum soll´s denn beim S-Bahn-Fahrplan anders sein?
Das wäre überhaupt) nicht einzuseh´n,
es kann doch ruhig auch mal ein bisschen langsamer geh´n!
In Berlin ist man verbal immer startbereit
aber wenn’s drauf ankommt, braucht alles seine Zeit.

S-Bahnblues,
Großflughafenblues,
Staatsopernblues,
BND-Zentralenblues,
Es dauert zwar alles etwas länger,
aber dafür wird’s dann auch ein bisschen teurer.
Ich glaube, es wäre wirklich mal wieder an der Zeit
für ‚ne Berliner Olympiabewerbung.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 20639178



 
 
 
 
 
Schmiergeld für den Schiri
Schmiergeld für den Schiri, Schmiergeld für den Libero,
Schmiergeld für den Mann im Tor und für die Stürmer sowieso.
Schmiergeld für alle! Keiner soll leer ausgeh´n.
Schmiergeld für das Mittelfeld und den Mannschaftskapitän!

Quer übers Spielfeld fliegt der runde Ball.
Schwarz-Weiß gegen Blau-Grün – an sich ein klarer Fall.
Doch als der Schiri den Schlusspfiff tiriliert,
ist das liebe Publikum völlig irritiert.
Fachleute sagen: Das kann doch nicht sein.
Kenner der Szene prügeln aufeinander ein.
Denn Schwarz-Weiß hat verloren, Blau-Grün hat gesiegt.
Und jeder, der nicht blöde ist, weiß längst schon, woran´s liegt:

Schmiergeld für den Schiri…

Gelbe Karten, rote Karten, Spieler müssen geh´n.
Elfmeter für ein Foul, nur der Schiri hat´s geseh´n.
Schwarz-Weiß setzt jede Torchance in den Sand,
Torwart lässt den Ball durch wie der letzte Dilettant.
Trainer wird bleich und muss mal schnell aufs Klo.
Wie das Spiel ausgeht, bestimmt das Wettbüro
Für Geld bekommt man alles, das weiß doch groß und klein.
Drum kann es auf dem Fußballfeld auch nicht anders sein.

Schmiergeld für den Schiri, Schmiergeld für den Libero,
Schmiergeld für das Management und für den Vorstand sowieso.
Schmiergeld für alle! Keiner muss im Abseits steh´n.
Schmiergeld für das Mittelfeld und den Mannschaftskapitän!

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 9017149



 
 
 
 
 
Sommernachmittag
Der Himmel fast azur,
paar kleine Wolken nur
und eine Kirchturmuhr schlägt in der Nähe.
Die Bäume unbewegt,
weil sich kein Lüftchen regt.
Ein Habicht schraubt sich langsam in die Höhe.
Ich sitz´ schon länger hier
und nehme Bier zu mir.
Ein Hund liegt dösend bei der Wetterfahne.
Das Bier ist kühl und frisch
und am Nebentisch
serviert der Kellner Erdbeereis mit Sahne.
Von Efeu fast verhüllt
ein Coca-Cola-Schild.
Ein gelber Grashalm kitzelt an den Beinen.
Ein Traktor fährt vorbei,
es riecht nach Öl und Heu,
zwei kleine Kinder spiel´n mit Kieselsteinen.

Der Raps ist längst verblüht.
Am blauen Himmel zieht
ein schlanker Motorsegler seine Bahnen.
Der Hund fährt kurz herum
und sieht sich schläfrig um
und scheint die Welt nur mühsam zu erahnen.
Der Habicht fliegt jetzt weg
zu seinem Waldversteck,
als dunkler Fleck auf blauer Silhouette.
Ich sitze weiter hier und nehme Bier zu mir.
Der weiße Schaum tropft sanft auf die Manschette.

Ein Strohhalm liegt im Sand
und von der Efeuwand
wächst ein mit Sonnenlicht durchtupfter Schatten.
Die Sonne steht schon schräg
und vorne auf dem Weg
da flickt ein Fahrradfahrer seinen Platten.

Die Grillen zirpen laut.
Ich krieg´ ´ne Gänsehaut
und geh´ vom Schatten wieder in die Sonne.
Bald kommt der Rest vom Tag.
Mit schnellem Flügelschlag
umkreist ein Schmetterling die Abfalltonne.
Die Stunden zieh´n vorbei
im Sommer-Einerlei,
ich hätt´ so vieles dringend zu betreiben.
Stattdessen sitz´ ich hier
nehm´ weiter Bier zu mir,
und denk´, für heute lass´ ich alles bleiben.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 8145684



 
 
 
 
 
Sport macht dick
Sport machen die meisten nur
mit dem Wunsch nach einer Topfigur.
Nordic walking, schwimmen, joggen geh´n
um gut auszuseh´n.
Andre wiederum
treibt die Angst um die Gesundheit um.
Darum sind sie intensiv
sportlich aktiv.
Wer sich derart engagiert liegt leider schief.

Denn Sport macht dick,
am Arsch und am Genick,
am Kinn ohnehin,
aber auch am Bauch,
Sport macht dick.
Sport macht dick.
Wer verrät mir mal den Trick,
wie man dünn bleibt,
wenn man Sport betreibt?
Sport macht dick.

Weil ich äußerst sportlich bin,
habe ich nur eins im Sinn:
Samstags vor die Glotze geh´n
und Sportschau sehn.
Während ich die Sportschau seh´,
lieg´ ich auf den Canapee,
esse Toffifee und gönne mir
zwei, drei Bier, manchmal vier.
Rund um den Tabellenspiegel
brauch´ ich ein paar Fitnessriegel,
die stopf´ ich in mich rein,
um fit zu sein.
Hohes sportliches Niveau
hat auch Haribo.

Sport macht dick,
an den Hüften, am Genick,
am Po sowieso
und am Knie, aber wie!
Sport macht dick.
Sport macht schlank?
Wer das behauptet der ist krank.
Vom Anblick einer Ruderbank
wird keiner schlank.

Ich vertilge bei jedem Weltrekord
vor Freude ne Tafel Ritter Sport
Und bei jedem Fußballtor
grinst der Sarottimohr.

Sport macht dick
und dick sein ist nicht schick.
Zu viel Fett an Bord?
Das kommt vom Sport!
Sport macht dick.
Sport macht dick.
Wer verrät mir mal den Trick,
beim Sportschau sehn
nicht aus dem Leim zu gehen?
Sport macht dick.

Peter, Peter,
setz dich bei der Sportschau doch mal aufs Ergometer!

Text: Dietrich Plückhahn
Musik: Daniel Vogel



 
 
 
 
 
Tierliebe
Kanarienvögel, Katzen, Hunde usw.,
Meerschweinchen, Kaninchen sind treue Wegbegleiter.
Sie machen Kindern Freude, vertreiben uns die Zeit
und helfen auch ein bisschen gegen Einsamkeit.
Als Kind hab´ ich mir immer ein Tier gewünscht,
doch meine Eltern waren ausgesprochen fies.
Und weil ich damals von ihnen nie ein Tier bekam,
hab´ ich heut zu Haus ein ganzes Tierparadies:

Kakerlaken in den Schränken,
Spinnen auf den Fensterbänken.
Voller Läuse alle Pflanzen
und die Decke voller Wanzen.
Käfer auf dem Teakholztischchen
untermTeppich Silberfischchen.
Kellerasseln unterm Dach,
Maden im Gemüsefach –
jedes noch so kleine Tier
fühlt sich pudelwohl bei mir.

Alle meine Tiere vermehren sich im Nu,
ohne dass ich besonders viel dafür tu´.
Lass´ ich ´ne Packung Müsli verrotten,
schon hab´ ich neue Getreidemotten.
Lass´ ich ´ne faule Banane liegen,
fallen die Fliegen gleich drüber her.
Meine Tiere sind genügsam und anspruchslos
und täglich werden es mehr:

Kakerlaken unterm Becken,
Wanzen in den Sofaecken;
Holzwürmer im Gestühle,
Wasserflöhe in der Spüle,
Kellerasseln unterm Dach,
Maden im Gemüsefach
Fliegen, Flöhe, Ratten, Läuse,
Spinnen, Käfer, Motten, Mäuse,
Ohrenkneifer, Grillen Schnaken,
immer wieder Kakerlaken,
Tausendfüßler, Würmer, Schnecken,
Kröten, Ameisen und Zecken,
Mückentanz im Lampenscheine,
Flatterflügel, Krabbelbeine,
um mich rum das pralle Leben.
Salmonellen und Amöben
jedes noch so kleine Tier
fühlt sich pudelwohl bei mir.
Meine Wohnung ist, gottlob,
ein intaktes Biotop.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 9391719



 
 
 
 
 
Verfassungsschutzblues
Man denkt bei manch einer Behörde, wozu ist die gut?
Und man fragt sich, was ihr Personal so treibt und tut.
Für alles Mögliche sind Behörden da
und wenn sie gut sind, dann sind sie bürgernah.
Unzählige Behörden gibt’s in Bund und Land
und ihr Nutzen liegt keineswegs immer auf der Hand.
Doch gibt es eine Behörde, die ganz sicher nützt:
den Verfassungsschutz (weil er die Verfassung schützt).

Der Verfassungsschutz kennt keine Fangemeinde,
der Verfassungsschutz kennt nur Verfassungsfeinde.
Der Verfassungsschutz ist (Konsequent) darauf bedacht,
dass die Linke Hand nicht weiß, was die rechte macht
und umgekehrt. Und sowieso:
der Verfassungsschutz beschäftigt V-Leute en gros,
weshalb sogar das Gerücht umgeht,
dass er selber nur aus V-Leuten besteht.

V-Leute sind die verlässliche Quelle
für Wissenswertes über eine Terrorzelle.
Sie kriegen auch sonst dies und jenes raus
und am liebsten forschen sie sich gegenseitig aus.
Ganz gender, V-Mann und V-Frau.
Wofür dieses „V“ steht, weiß keiner genau,
für Verwirrung, Verwechslung, was weiß ich,
für Vertrauen jedenfalls wohl eher nich.

Bröckelt auch an der Verfassung mal hier und da der Putz,
halb so schlimm. Es gibt ja den Verfassungsschutz.
Der sammelt Erkenntnisse und wertet sie aus.
Was Brauchbares kommt in der Regel nicht dabei raus.
Er forscht mit geheimdienstlicher Akribie,
für wen und für was? Genau erfährt man das nie.
Nimm dich in acht, verehrtes Publikum:
der Verfassungsschutz geht um!

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 13200840



 
 
 
 
 
Vergebliches Warten
Als sie sich kennenlernten war sie fünfundsiebzig
und er war grade fünfundzwanzig Jahr.
Die reiche Witwe dachte sich: „Er liebt mich“.
Und er? Er dachte nur ans Honorar!
Sein Plan war so: „Die Alte wird bald sterben,
ich werd´ die ganze Kohle von ihr erben.
Ihr Vermögen fällt mir locker in den Schoß.
und dann, dann geht das Leben richtig los.“

Die reiche Witwe wurde fünfundachtzig.
Er fraß sich langsam eine Wampe an
Und dachte sich, na ja, die Alte macht´s nich
mehr richtig lange und dann bin ich endlich dran.
So lag er Jahr um Jahr auf der Lauer,
die Haare wurden weniger und grauer.
Die Witwe lernte Spanisch und Klavier,
er hing wartend vor der Glotze und trank Bier.

Die reiche Witwe wurde fünfundneunzig,
er hockte meist trübsinnig an der Bar.
Sie geht ins Sonnenstudio und bräunt sich
und belegt ein Bauchtanzseminar.
Ein neuer Frühling kam, sie ließ sich liften.
Er kann schon nicht mehr wegen seiner Hüften.
Sie geht nur noch alleine auf den Ball,
denn er hat den ersten Bandscheibenvorfall.

Von Jahr zu Jahr ging´s mit ihr nach oben.
Sie sieht sich nach ´nem neuen Lover um.
Den alten hat sie abgeschoben
in ein Dauersanatorium.
Sie treibt´s jetzt fast so wild wie eine junge Nymphe.
Immerhin, sie ist schon hundertfünfe.
Und er erkennt in tiefer Depression:
Das ganze war ´ne Fehlkalkulation.
Er sitzt im Rollstuhl und fragt: „Wer bitte schiebt mich?“
Als sie sich kennenlernten war sie fünfundsiebzig.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 8145697



 
 
 
 
 
Verwechslung
Ich glaube nicht an Geister,
ich glaube nicht an Spuk,
an keine Hexenmeister
und ähnlichen Betrug.
Ich glaub´ nicht an Gespenster,
denn ich bin Realist.
Ich glaube nur an das,
was materiell zu fassen ist.
Die Angst vor allem andern,
die kann ich nicht versteh´n,
und wenn mir mal das Gruseln kommt,
dann kommt´s mir aus Verseh´n.

Ich sitze am Computer
und schreibe einen Text.
Das wird bestimmt kein guter,
denn ich fühl´ mich wie verhext.
Ich höre etwas knurren
und dreh´ mich langsam um.
Ein großer schwarzer Pudel
schleicht in meinem Zimmer rum.

Diesen Pudel kenn´ ich doch!
Mir graust.
Ist er es wirklich?
Aber ich bin doch nicht Faust!

Ich glaube nicht an Geister,
ich glaube nicht an Spuk.
Der Pudel da, wie heißt er gleich,
ist nichts als ein Betrug.
Das kann nur eine Fata
Morgana sein, indes
der Pudel sagt vernehmlich:
“Gestatten, Mephistopheles.
Dass du dich vor mir fürchtest,
das kann ich gut versteh´n,
denn wenn ich mal was Gutes tu,
dann tu ich´s aus Verseh´n.“

Ich drehe mich zum Fenster
und zwing´ mich zur Vernunft.
Das kann nicht sein! Gespenster
in meiner Unterkunft?
Da plötzlich steht ein Mädchen
mitten in der Tür.
Ich glaube, sie heißt Gretchen
und sagt zu mir: „Mir graut vor dir.“

„Nein“, ruf´ ich verzweifelt, „nein!
Das muss eine Verwechslung sein!“

Ich glaube nicht an Geister,
doch nützt mir das nicht viel.
Der Pudel ist der Meister
in diesem bösen Spiel.
Jetzt knirscht er mit den Zähnen
und rüstet sich zum Kampf,
dem Gretchen fließen Tränen,
das Zimmer ist voll Schwefeldampf
Und ich bin mitten drin
in diesem Horrorthriller.
Das muss eine Verwechslung sein.
Helfen Sie mir, Herr Schiller!

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 10386460



 
 
 
 
 
Verwirrung am Weihnachtsabend
Der Papa trinkt Bier, die Mama trinkt Wein,
vor dem Tannenbaum stehen die Kinderlein.
Da pocht’s an der Türe, es klopft jemand an,
na klar, denken alle, der Weihnachtsmann.
Der Papa geht raus, um nachzusehn
und bleibt wie angewurzelt stehn.
Da hockt mit Schlappohren und erfrorener Nase
nicht der Weihnachtsmann, sondern der Osterhase.

Der Hase sagt: „Entschuldigen Sie,
es gibt für nichts ne Garantie.
Der Weihnachtsmann brach sich beim Skilauf die Gräten,
deshalb kann er nicht kommen und ich muss ihn vertreten.“
Er lässt Papa stehn, hoppelt ins Haus
packt einen Korb mit Geschenken aus
und spendiert für die Weihnachtsfeier
gefärbte Hühner- und Nougateier.

Der Hase reibt sich die Nase trocken
stellt vor die Krippe Osterglocken,
ersetzt ungeniert und immer frecher
die Weihnachtskerzen durch Eierbecher.
Die Eltern sind wie paralysiert,
die Kinder nachhaltig irritiert.
Der Hase indessen pfeift ein Lied
vom Frühling, der durch die Lande zieht.

Der Papa hält mühsam die Wut im Zaum.
Der Hase stellt unter den Tannenbaum
ein bunt dekoriertes Osternest,
das gibt der Mama jetzt endlich den Rest.
Sie schmeißt den Osterhasen raus
und packt die Pyramide aus.
Doch ein Problem bleibt fortan:
Die Kinder glaub´n nie mehr an den Weihnachtsmann.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 9391726



 
 
 
 
 
Vogelpark Walsrode
Eine Postkarte kommt aus Brasilien,
eine Postkarte kommt aus Schanghai.
Eine Postkarte kommt aus Sizilien,
eine Postkarte aus der Mongolei.
Und immer wird in mir das Fernweh geweckt,
und in Gedanken bin ich anderswo.
Im Traum hab´ ich Grönland und Borneo entdeckt,
Sansibar und den Kilimantscharo
und Neuseeland, uns´re ferne Antipode,
doch du willst immer in den Vogelpark Walsrode.

Man kann in Bangkok die Tempel bestaunen,
man kann abtauchen vor Yucatan.
Man kann in Finnland so wunderbar saunen
und essen Schaschlik in Aserbeidschan.
Ich möcht´ auch gern zu Kairos Pyramiden
und auf der Akropolis steh´n in Athen,
angeln auf den Hebriden
und in Paris, ja, in Paris die Monalisa sehn
oder in Chinas Hauptstadt ´ne Pagode.
Doch du willst immer in den Vogelpark Walsrode.

Mondän ist Westerlands Strandpromenade
und es ist so brisant in Kabul.
Man sagt, Florenz hätt´ die schönste Fassade
und in Rom steht der heilige Stuhl.
In Cannes versammelt sich die Filmprominenz
und in Medellin das Rauschgiftsyndikat.
In Cancun gab´s wenigstens ´ne Umweltkonferenz
und New York hat immerhin den Weltsicherheitsrat.
Nicht mal ´ne evangelische Synode
tritt zusammen im Vogelpark Walsrode.

Jahrein, jahraus fahren wir nach Walsrode,
zu jedem Vorschlag von mir sagst du nee.
Das könnt´ so geh´n bis zu unserem Tode,
doch Gott sei Dank kam mir eine Idee:
Aus Hitchcocks Film „Die Vögel“ hab´ ich Bilder
an allen Bäumen in Walsrode angebracht.
Die Vögel sprangen an, sie werden wilder.
und um den Vogelpark wird zunehmend ein Bogen gemacht
und kommt der Hitchcock bei den Biestern voll in Mode,
dann willst auch du nicht mehr zum Vogelpark Walsrode!

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 9391724



 
 
 
 
 
Vor Madagaskar
Die Kompassnadel rührt sich nicht,
zum Navigieren fehlt die Sicht,
das Ruder klemmt, wir sitzen in der Falle.
Frischvorräte gibt’s nicht mehr,
wir fressen die Konserven leer,
in Kürze ist der Wasservorrat alle.
Die Mannschaft, meistens vollgedröhnt,
hat sich die Hoffnung abgewöhnt
und weiß, von hier kommt niemals jemand fort.
Denn wir liegen vor Madagaskar
und wir haben die Pest an Bord.

Beim Rauchengabs ne Feuersbrunst
wir sitzen hier in Qualm und Dunst
und atmen schwer im selbstgebauten Nebel.
Unter Deck stinkt’s hunzgemein,
irgendwo dringt Wasser ein
und ringsherum verrosten alle Hebel.
Wir prügeln uns das Mark heraus,
wenn’s dunkel wird, bricht Panik aus
und beinah jeden Tag geschieht ein Mord.
Denn wir liegen …

Der Rumpf vibriert am Heck und vorn,
stupide röhrt das Nebelhorn
Ratten, wohin der Blick auch fällt.
Das Geschehn nimmt seinen Lauf,
wir haben kaum noch Einfluß drauf.
Ein Rettungsplan wird längst nicht mehr erstellt.
Zum Navigieren fehlt die Sicht,
Bewegungsspielraum gibt es nicht,
die Kompassnadel klemmt, der Kiel sitzt fest.
Denn wir liegen vor Madagaskar
und wir haben an Bord die Pest.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 8237888



 
 
 
 
 
Warum ausgerechnet ich?
Schon als kleiner Junge drückte ich mich
gern vor häuslichen Pflichten.
Es ging mir einfach gegen den Strich,
Auftragsarbeit zu verrichten.
Klopf den Teppich! Räum das Zimmer auf!
Schlag die Sahne! Mach den Abwasch! Und so weiter.
Anweisungen solcher Art gab es zu Hauf
und sie stimmten mich keineswegs heiter.
„Irgendwer muss es ja machen“, war der Standardspruch.
„Nichts geht von allein, wurde gesagt.
Von derlei Redensarten hatte ich schon bald genug
Und habe verdrossen gefragt:
Warum ausgerechnet ich?
Warum ausgerechnet ich?
Warum ausgerechnet ich?
Und warum nicht jemand anders?
Warum ausgerechnet ich?
Warum jemand anders nich?
Andre Menschen gibt es zig,
warum ausgerechnet ich?
Es gibt Regeln, die sind dazu da,
das Miteinander verträglich zu gestalten.
Das ist in Ordnung und ich bin klar dafür,
dass andere sich daran halten.
Zum Beispiel ist es üblich, an der Kasse im Supermarkt
oder vor Schaltern in der Schlange zu warten.
Ich hab mir angewöhnt, weil’s schneller geht, an jeder Schlange vorbei
gleich nach vorne durchzustarten.
Natürlich gibt’s immer wen, der sich meckernd beklagt.
„Vordrängeln gibt’s nicht, sie sind noch gar nicht dran.
geh’n se ans Ende der Schlange!“ Wer mir so was sagt,
den nehm ich kurz ins Visier und sage dann:
Warum ausgerechnet ich?
Warum ausgerechnet ich?
Warum ausgerechnet ich?
Und warum nicht jemand anders?
Warum ausgerechnet ich?
Warum jemand anders nich?
Andre Menschen gibt es zig,
warum ausgerechnet ich?
Als Vielflieger im Jet kann ich Fluglärm gut ertragen,
solang‘ der Fluglärm nicht mein Wohngebiet tangiert.
Und über Kinderlärm werd‘ ich mich auch nie beklagen,
sofern kein Kindergarten in meiner Nähe randaliert.
Eine Bahntrasse, ein Neubauprojekt
bei mir um die Ecke, ich seh‘ das gar nicht ein.
Eine andere Planung, von der ich nicht betroffen bin,
muss doch irgendwie immer möglich sein!
Natürlich, jeder muss mit Beeinträchtigungen leben.
Das ist schon klar und gilt auf jedem Gebiet.
Mir geht’s nur darum, dass bei fast acht Milliarden Menschen
jemand anders die Arschkarte zieht.
Und nicht ausgerechnet ich!
Und nicht ausgerechnet ich!
Und nicht ausgerechnet ich,
sondern irgendjemand anders!
Warum ausgerechnet ich?
Warum jemand anders nich?
Andre Menschen gibt es zig, zig, zig, zig, zig,
warum ausgerechnet ich!

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 20639181



 
 
 
 
 
Warum sitzt der gute Onkel Willibald
Warum sitzt der gute Onkel Willibald
seit Wochen in der Untersuchungshaftanstalt?
Hat er seinen Daimler etwa falsch geparkt,
stahl er `ne Salami aus dem Supermarkt?
riss er seinen Nachbarn an den Haaren?
hat er eine Kirchenbank befleckt?
ist er mit der U-Bahn schwarz gefahren
oder hat man die Canabispflanze unterm Dach entdeckt?
Ich frag mich: Warum sitzt der gute Onkel Willibald
seit Wochen in der Untersuchungshaftanstalt?

Warn’s die Doping-Spritzen auf der Trabrennbahn,
war’s der Versicherungsbetrug mit dem Luxuskahn?
Wird er wegen der gefälschten Schecks verknackt?
Sitzt er für den Gemäldeklau im Zellentrakt?
War’s der Meineid in der Spendengeldaffäre?
kam das Millionending in Liechtenstein heraus?
Kam ihm ein anderer Zuhälter in die Quere?
reicht für den Brand in seiner Firma das Alibi nicht aus?
Ich frag mich …

Der Onkel ist dynamisch, der Onkel ist aktiv,
den ganzen Tag in Zellenhaft, das macht ihn depressiv.
Immer nur Däumchen drehn und warten aufs Gericht
ist verschiss’ne Zeit, das mag der Onkel nicht.
Zwischen den Mauern nichts als Monotonie,
der Onkel weiß nicht mehr, wohin mit seiner Energie.
Hinter den rostigen Gittern aus Stahl
verödet sein ganzes kreatives Potential.

Ließ der Richter Onkelchens Verhaftung zu
wegen des Giftmülltransfers nach Bambalu?
Schnappte ihn das BKA auf frischer Tat
beim Uranexport in den Schurkenstaat?
Warn’s die Blutkonserven aus der dritten Welt,
war das Waffenarsenal zu schlecht versteckt?
Hat die Schleuserbande ihm ein Bein gestellt
oder hat man die Leichen seiner Compagnons entdeckt?
Ich frag mich …

Ja, der blöde Onkel säße längst nicht mehr,
wenn er nicht an der falschen Stelle knauserig wär.
Gab doch allen Ernstes dieses dumme Schwein
dem Hauptbelastungszeugen nur `n Hundert-Euro-Schein.
Der Zeuge, der war schwer beleidigt,
jetzt packt er bei der Staatsanwaltschaft aus.
Auf sein Gequassel wird er demnächst vereidigt,
der Onkel wird verurteilt, kommt nicht wieder raus.
Bleibt als Resümee zu diesem Bericht:
Am Schmiergeld für die Zeugen spart man nicht.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 7983813



 
 
 
 
 
Wenn bei Capri …
Wenn bei Capri die gelbe Tonne im Meer versinkt,
unhd der Wind den Geruch von frischend Fäkalien bringt
Fährt der Käptn mit seinem Frachter aufs Meer hinaus
und er leert den gefüllten Säurebehälter aus.
Nur die Sterne sie scheinen droben vom Firmament
auf denTeppich aus Algen, den jeder Fischer kennt.
Und beschaulich wird vom Mond illuminiert
wie ein Wal kollabiert.

Bella, bella, bella Marie
komm, wir machen eine Dampferpartie.
Ahoi, ahoi und la paloma, ohe,
auf hoher See.

Sieh die Plattform dort
mit dem Leck im Rohr.
Auf dem Meeresgrund aus der Erde Schlund
quillt das Erdöl hervor.
Wenn der Pelikan
sein Gefieder leckt,
wird der Algenteppich
vom Ölteppich überdeckt.

Wenn bei Capri die gelbe Tonne im Meer versinkt,
und der Wind den Geruch von frischen Fäkalien bringt
flieht das Schmugglerboot vor der Wasserschutzpolizei
und an der Seehundsbank treibt ein Bohrinselwrack vorbei.
Und vom hoffnungslos überfüllten Rettungskahn
winken Flüchtlinge aus dem fernen Kurdistan.
Ja, auf See, da gibt es immer was zu sehn!
Drum sind Seefahrten so lustig, drum sind Seefahrten so schön.

Bella, bella, bella Marie …

Text: Dietrich Plückhahn
Musik: Die Caprifischer (Winkler)



 
 
 
 
 
Wir kriegen alles raus
Wer sich wo aufhält? Sein Handy kann es uns verraten.
Wir kennen jedermanns Positionskoordinaten.
Wir wissen, in welchem Lokal Madeleine ihr Lunch einnahm,
weil dort ihre Kreditkarte zum Einsatz kam.
Wir brauchen ein Gesicht nur irgendwo zu scannen,
dann können wir´s im Netz der Netze suchen und erkennen.
Auch dich finden wir in irgendeiner Webdatei,
Google Streetview hilft uns dabei.

Reise- und Konsumverhalten,
wann bei dir die Türen knallten,
was du mit wem und wieso,
ob du kontra oder pro,
sexuelle Präferenzen
und politische Tendenzen,
digital fixiert in Bit und Byte,
wir kriegen alles raus – world wide.

Dein Fingerabdruck ist im digitalen Depot,
deine DNA demnächst sowieso.
Du bist durchschaubar, wenn man weiß, worauf du stehst
und wir wissen, was du anklickst, wenn du online gehst.
Was du buchst bei Easy Jet oder bei der Deutschen Bahn,
deine Spende für die Flutopfer in Pakistan,
überall ist irgendwas von dir im Spiel.
Ein bisschen Puzzle und wir haben dein Persönlichkeitsprofil.

Wessen Bücher du bestellst,
von wem du deine Mails erhältst,
Wen du kennst, wovon du lebst,
wann du wie viel Geld abhebst
sexuelle Präferenzen
und politische Tendenzen,
digital fixiert in Bit und Byte,
wir kriegen alles raus, world wide.

Du hinterlässt eine Spur bei jedem Schritt,
bei jeder Kontobewegung, jedem Grenzübertritt,
jedem Kauf bei Ebay oder Amazon.
Über dich entsteht auch eine Information,
wenn´s ein Knöllchen gibt, weil dein Auto falsch parkt,
mit dem Kamerabild aus dem Supermarkt
und der Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen..
Das muss dich nicht unbedingt entsetzen.
Vielleicht ist grad´ auf deine Daten keiner erpicht.
Kann sein. Aber du weißt es nicht.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 11877642



 
 
 
 
 
Woher die Macke?
Ich frag‘ mich immer, woher hab‘ ich meine Macke.
Ich komme nicht darauf, es ist zu dumm.
Ich kratz‘ mich hinterm Ohr und an der Backe.
Seit Jahren schon treibt mich die Frage um,
warum ich manchmal ticke, wie ich ticke,
mein eigenes Verhalten nicht durchblicke
und noch mehr Leichen in den Keller packe.
Ich frag‘ mich immer, woher hab‘ ich meine Macke.

Hab‘ ich sie erblich oder später erst erworben?
Kam sie von außen oder ist sie genuin?
Wann wurde irgendwas wodurch verdorben?
Sind aus der Kleinkindphase Rückschlüsse zu zieh’n?
Kann sein, es war ´ne Windel, die nicht passte,
vielleicht war’s auch ein Spielzeug, das ich hasste,
oder am Buddelplatz ´ne feindliche Attacke.
Ich frag‘ mich immer, woher hab‘ ich meine Macke.
Waren es Lehrer, die mich nicht erfreuten,
oder war es, ganz trivial,
wie üblich bei so vielen Leuten,
das schwere Trauma im Geburtskanal?
Den ersten Wespenstich hab‘ ich auch im Verdachte,
dass er was wirklich Schlimmes mit mir machte,
und auch das Mottenloch in meiner Lieblingsjacke –
ich frag‘ mich immer, woher hab‘ ich meine Macke.

Was nützt es mir, dass ich mich so plage?
Ich könnt‘ ja auch) dem Drange widersteh‘n,
der augenscheinlich unlösbaren Frage
des Ursprungs meiner Macke nachzugeh’n.
Doch leider bin ich davon ganz besessen.
Das ist nicht angenehm. Es kann indessen
mich der Gedanke ungemein erquicken,
dass alle andern auch nicht richtig ticken.

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 21761588



 
 
 
 
 
Zwischen Leber und Milz
Zwischen Leber und Milz
passt noch immer ein Pils.
Zwischen Leber und Nierchen
passt wohl auch noch ein Bierchen
Zwischen Leber und Po
passt bestimmt ein Bordeaux.
Zwischen Leber und Glied
passt noch ein Aquavit.

Und das ist gut so,
ja, das ist schön.
Da ist noch Platz en gros,
da woll`n wir noch nicht gehen.

Zwischen Leber und Kinn
passt noch immer ein Gin.
Zwischen Leber und Beckenring
passt vielleicht noch ein Kümmerling.
Zwischen Leber und Vorbau
passt noch ein Müller-Thurgau.
Zwischen Leber und Zeh
passt noch ein Grand Manier.

Und das ist gut so…

Zwischen Leber und Hackensporn
passt noch immer ein Appelkorn.
Zwischen Leber und Knie
geht sogar noch ein Hennessy.
Zwischen Leber und Magenwand
passt noch ein Marillenbrand.
Zwischen Leber und Hals
ein Tequila mit Salz (und mit Zitrone).

Und das ist gut so…

Zwischen Leber und Steißbein
passt noch immer ein Eiswein.
Zwischen Leber und Zungenspitze
geh´n glatt noch zwei Slivovitze.
Zwischen Leber und Ferse
passen auch noch diverse.
Zwischen Leber und Baldachin
geht ganz zum Schluss noch ´ne Packung Aspirin.

Und das ist gut so!

Text und Musik: Dietrich Plückhahn
GEMA-Werknummer 10386468